Einleitung
Elmar Gehlen gehört zu den vielseitigsten deutschen Schauspielern seiner Generation. Er ist nicht nur als Schauspieler bekannt, sondern auch als Regisseur, Bühnenbildner, Choreograf und Pantomime tätig gewesen. Über viele Jahrzehnte hat er die deutsche Theater- und Fernsehlandschaft mitgeprägt. Besonders einem großen Fernsehpublikum ist sein Name durch die beliebte ZDF-Serie „Küstenwache“ bekannt. Dort verkörperte er über viele Jahre die Figur Wolfgang Unterbaur und wurde dadurch zu einem vertrauten Gesicht des deutschen Fernsehens.
Seine Karriere begann allerdings lange vor seinem großen Fernseherfolg. Gehlen beschäftigte sich schon früh mit verschiedenen Formen der Kunst und entwickelte daraus ein außergewöhnlich breites berufliches Profil. Er arbeitete an renommierten Theatern, an der Hamburgischen Staatsoper und im Bereich des Musiktheaters. Später übernahm er auch Regieaufgaben und entwarf Bühnenbilder für eigene Inszenierungen. Dieser vielseitige Weg macht Elmar Gehlen zu einer interessanten Persönlichkeit der deutschen Kulturszene.
Kindheit und frühe Jahre
Elmar Gehlen wurde am 14. August 1943 in Hornberg in Deutschland geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er unter anderem in Bad Münstereifel und Kleve. Schon früh entwickelte er ein Interesse an kreativen Berufen und entschied sich zunächst für eine Ausbildung im grafischen und gestalterischen Bereich.
Bevor er endgültig Schauspieler wurde, absolvierte er eine Ausbildung zum Grafiker und Dekorateur. Diese Erfahrungen waren für seinen späteren künstlerischen Weg von Bedeutung, denn Gestaltung und visuelle Wirkung sollten auch in seiner späteren Arbeit als Bühnenbildner eine wichtige Rolle spielen.
Anschließend besuchte Gehlen eine Sprach- und Schauspielschule in Stuttgart und nahm privaten Schauspielunterricht. Dadurch erhielt er eine professionelle Grundlage für seine weitere Karriere. Seine frühe Ausbildung verband damit bereits zwei Bereiche, die später immer wieder zusammenkommen sollten: Schauspiel und visuelle Gestaltung.
Die Anfänge an der Hamburgischen Staatsoper
Ein wichtiger Abschnitt seiner frühen Karriere begann Ende der 1960er-Jahre an der Hamburgischen Staatsoper. Auf Einladung des damaligen Intendanten Rolf Liebermann arbeitete Gehlen dort als Choreograf und Pantomime.
Diese Tätigkeit war außergewöhnlich, weil sie ihm die Möglichkeit gab, Schauspiel, Bewegung, Musik und visuelle Gestaltung miteinander zu verbinden. Gleichzeitig arbeitete er mit bedeutenden Künstlern zusammen. Zu den Persönlichkeiten, mit denen er in dieser Phase in Verbindung stand, gehörte der weltbekannte französische Pantomime Marcel Marceau.
Auch die Begegnung mit moderner Musik und experimentellen Bühnenformen prägte Gehlens künstlerische Entwicklung. Er arbeitete außerdem mit Künstlern aus dem Bereich der zeitgenössischen Musik zusammen und sammelte Erfahrungen auf internationalen Tourneen und bei Festivals.
Diese frühen Jahre halfen ihm, eine eigene Vorstellung davon zu entwickeln, wie Theater funktionieren kann. Für Gehlen war die Bühne nie nur ein Ort für Schauspiel, sondern ein Gesamtkunstwerk aus Bewegung, Sprache, Musik, Raum und Gestaltung.
Schauspiel auf großen deutschen Bühnen
Nach seinen Erfahrungen an der Staatsoper entwickelte Elmar Gehlen seine Karriere als Schauspieler weiter. Er erhielt Engagements an verschiedenen bedeutenden deutschen Bühnen. Dazu gehörten unter anderem das Stadttheater Baden-Baden, das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Schillertheater Berlin und das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg.
Die Theaterarbeit gab ihm die Möglichkeit, unterschiedliche Rollen und Charaktere zu spielen. Gleichzeitig konnte er mit verschiedenen Regisseuren und Schauspielkollegen zusammenarbeiten. Durch diese lange Bühnenerfahrung entwickelte er eine präzise und vielseitige Spielweise.
Anders als beim Fernsehen verlangt Theater eine besondere körperliche und sprachliche Präsenz. Schauspieler müssen ihre Figuren direkt vor einem Publikum entwickeln und über längere Zeit in einer Produktion präsent bleiben. Gehlens Erfahrungen als Pantomime und Choreograf waren dabei eine zusätzliche Stärke.
Auch später blieb das Theater ein wichtiger Teil seines künstlerischen Lebens, selbst als seine Bekanntheit durch das Fernsehen immer größer wurde.
Regisseur und Bühnenbildner
Seit den 1970er-Jahren widmete sich Elmar Gehlen zunehmend der Regie und dem Bühnenbild. Diese Entwicklung war eine natürliche Erweiterung seiner bisherigen Arbeit. Durch seine Erfahrungen als Grafiker, Schauspieler, Choreograf und Pantomime verfügte er über Kenntnisse aus mehreren Bereichen der Bühnenkunst.
Bei zahlreichen Inszenierungen beschäftigte er sich nicht nur mit der Führung der Schauspieler, sondern auch mit dem visuellen Erscheinungsbild einer Produktion. Teilweise entwarf er die Bühnenbilder seiner eigenen Inszenierungen selbst.
Eine besondere Aufgabe übernahm er am Staatstheater Kassel. Dort leitete er den experimentellen Theaterbereich „Die Vierte Sparte“. Diese Tätigkeit bot ihm Raum für ungewöhnliche Projekte und innovative Formen des Theaters.
Auch die Oper spielte in seiner Arbeit eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit dem Komponisten Theodor Ross arbeitete Gehlen an einer Opernfassung von „Die Schneekönigin“. Das Projekt wurde 2006 am Deutschen Nationaltheater Weimar aufgeführt.
Seine Regiearbeit zeigt deutlich, dass Gehlen nicht nur als Darsteller, sondern als umfassender Theatermacher verstanden werden kann.
Der große Fernseherfolg mit „Küstenwache“
Für das breite deutsche Fernsehpublikum wurde Elmar Gehlen besonders durch die ZDF-Serie „Küstenwache“ bekannt. Die Serie beschäftigte sich mit den Einsätzen einer Küstenwache und verband Kriminalfälle mit Geschichten rund um die maritime Welt.
Gehlen spielte darin die Rolle des Wolfgang Unterbaur. Seine Figur war über viele Jahre ein fester Bestandteil der Serie und wurde für zahlreiche Zuschauer zu einem der bekanntesten Charaktere der Produktion.
Die Rolle passte gut zu Gehlens ruhiger und glaubwürdiger Ausstrahlung. Er konnte dabei seine langjährige Erfahrung aus Theater und Fernsehen nutzen und der Figur eine besondere Persönlichkeit geben.
„Küstenwache“ lief über viele Jahre im deutschen Fernsehen und erreichte ein großes Publikum. Für Elmar Gehlen wurde die Serie deshalb zu einem wichtigen Abschnitt seiner Karriere. Gleichzeitig blieb er auch außerhalb der Serie in anderen Film- und Fernsehproduktionen aktiv.
Interessant ist, dass Gehlen bei einzelnen Produktionen nicht ausschließlich als Schauspieler arbeitete, sondern auch Regieaufgaben übernahm. Dadurch verband er seine Erfahrungen vor und hinter der Kamera.
Weitere Film- und Fernsehrollen
Neben „Küstenwache“ war Elmar Gehlen in zahlreichen deutschen Fernsehproduktionen zu sehen. Seine Filmografie umfasst unterschiedliche Genres und zeigt, dass er sich nicht auf eine bestimmte Art von Rolle festlegen ließ.
Zu den Produktionen, in denen er mitwirkte, gehören unter anderem „Im Namen des Gesetzes“, „Tatort“, „Großstadtrevier“, „SOKO Wismar“, „Alarm für Cobra 11“ und „Heldt“. Auch im Film war er vertreten.
Eine seiner bekannten frühen Filmarbeiten war „Der Schimmelreiter“ aus dem Jahr 1978. Der Film basiert auf der berühmten Novelle von Theodor Storm und gehört zu den literarisch geprägten deutschen Produktionen jener Zeit.
Im Laufe seiner Karriere arbeitete Gehlen sowohl in dramatischen als auch in kriminalistischen und unterhaltsamen Produktionen. Seine langjährige Theatererfahrung half ihm dabei, auch kleinere Fernsehrollen überzeugend und glaubwürdig auszufüllen.
Kunst, Malerei und Verbindung zur Küste
Elmar Gehlens künstlerische Interessen beschränken sich nicht auf Schauspiel und Regie. Er beschäftigt sich auch mit Malerei und Bildhauerei. Diese Tätigkeiten zeigen erneut seine starke Verbindung zur bildenden Kunst.
Seine frühere Ausbildung als Grafiker und Dekorateur bietet dabei einen interessanten Hintergrund. Das Interesse an Formen, Farben, Räumen und visuellen Kompositionen begleitet ihn seit seinen frühen Berufsjahren.
Auch die maritime Welt spielt in seinem Leben eine wichtige Rolle. Gehlen gilt als begeisterter Segler und lebt in Pelzerhaken in Schleswig-Holstein. Die Nähe zur Ostsee passt besonders gut zu seiner bekannten Rolle in „Küstenwache“.
Dadurch entstand eine interessante Verbindung zwischen seinem beruflichen Leben und seinen persönlichen Interessen. Die maritime Umgebung wurde nicht nur durch seine Fernsehrolle bekannt, sondern gehört auch zu seinem privaten Umfeld.
Familie und Tochter Johanna Christine Gehlen
Auch in der nächsten Generation der Familie gibt es eine Verbindung zur Schauspielerei. Elmar Gehlen ist der Vater der Schauspielerin Johanna Christine Gehlen.
Johanna Christine Gehlen wurde 1970 in Hamburg geboren und entwickelte nach ihrer Ausbildung ebenfalls eine erfolgreiche Karriere in Theater, Film und Fernsehen. Sie besuchte die Hochschule für Musik und Theater Hannover und arbeitete später an verschiedenen Bühnen und für zahlreiche Fernsehproduktionen.
Damit gehört die Familie Gehlen zu den deutschen Schauspielerfamilien, in denen die Liebe zur Bühne über Generationen weitergegeben wurde.
Trotz dieser beruflichen Verbindung haben Vater und Tochter jeweils eigenständige Karrieren entwickelt. Elmar Gehlen ist vor allem durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als Schauspieler, Regisseur und Bühnenkünstler bekannt, während Johanna Christine Gehlen ihren eigenen Weg in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft gegangen ist.
Fazit
Elmar Gehlen blickt auf eine außergewöhnlich vielseitige Karriere zurück. Seine berufliche Entwicklung begann mit einer Ausbildung im grafischen Bereich und führte über Schauspiel, Pantomime und Choreografie bis hin zu Regie und Bühnenbild. Schon seine frühen Erfahrungen an der Hamburgischen Staatsoper zeigten, dass er sich nicht auf eine einzige künstlerische Disziplin beschränken wollte.
Seine Arbeit an großen deutschen Theatern sowie seine Tätigkeit als Regisseur und Bühnenbildner machten ihn zu einem erfahrenen Theatermacher. Einem besonders großen Publikum wurde er schließlich durch seine langjährige Rolle als Wolfgang Unterbaur in der ZDF-Serie „Küstenwache“ bekannt.
Darüber hinaus arbeitete er in zahlreichen weiteren Film- und Fernsehproduktionen und blieb seinen künstlerischen Interessen auch außerhalb der Schauspielerei treu. Malerei, Bildhauerei und seine Leidenschaft für das Segeln ergänzen sein vielseitiges Profil.
Elmar Gehlen steht damit für eine Generation deutscher Künstler, die Theater, Fernsehen und bildende Kunst miteinander verbunden haben. Seine jahrzehntelange Arbeit und seine Fähigkeit, unterschiedliche künstlerische Bereiche miteinander zu verbinden, machen ihn zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit der deutschen Kultur- und Fernsehgeschichte.

