Einleitung
Lothar Emmerich, von vielen Fans liebevoll „Emma“ genannt, gehört zu den bekanntesten deutschen Torjägern der 1960er-Jahre. Der am 29. November 1941 in Dortmund geborene Fußballer wurde vor allem durch seine erfolgreiche Zeit bei Borussia Dortmund, seine außergewöhnliche Schusskraft und seinen berühmten linken Fuß bekannt. In einer Epoche, in der der deutsche Fußball gerade den Übergang zum professionellen Bundesliga-System erlebte, entwickelte sich Emmerich zu einem der gefährlichsten Angreifer seiner Generation.
Für Borussia Dortmund erzielte er in 183 Bundesliga-Spielen 115 Tore. Seine Quote von rund 0,63 Treffern pro Spiel unterstreicht seine außergewöhnliche Effektivität. Zweimal hintereinander wurde er Bundesliga-Torschützenkönig: 1965/66 mit 31 Toren und 1966/67 mit 28 Treffern, wobei er sich die zweite Torjägerkanone mit Gerd Müller teilte.
International erlebte Emmerich ebenfalls einen besonderen Höhepunkt. Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England erreichte er mit der westdeutschen Nationalmannschaft das Finale. Unvergessen blieb dabei sein spektakuläres Tor gegen Spanien aus einem extrem spitzen Winkel. Auch der Europapokalsieg mit Borussia Dortmund 1966 machte ihn zu einer festen Größe in der Vereinsgeschichte des BVB.
Kindheit und frühe Jahre in Dortmund
Lothar Emmerich wurde am 29. November 1941 in Dortmund geboren. Seine Kindheit und Jugend fielen in eine schwierige Zeit der deutschen Geschichte. Trotzdem entwickelte sich schon früh seine Begeisterung für den Fußball. Dortmund war damals bereits eine Stadt mit einer ausgeprägten Fußballtradition, und Borussia Dortmund sollte später zum wichtigsten Verein seines Lebens werden.
Emmerich war ein Spieler, dessen Stärken früh erkennbar waren. Besonders sein kräftiger linker Fuß wurde zu seinem Markenzeichen. Er war kein Angreifer, der ausschließlich durch komplizierte Tricks auffiel. Vielmehr suchte er den direkten Weg zum Tor und konnte aus unterschiedlichen Positionen gefährlich abschließen.
Seine körperliche Robustheit und seine Entschlossenheit machten ihn zu einem unangenehmen Gegenspieler. Vor allem Torhüter mussten sich darauf einstellen, dass Emmerich auch aus ungewöhnlichen Winkeln einen direkten Schuss versuchen würde.
In den Jahren vor der Gründung der Bundesliga entwickelte er sich langsam zum professionellen Fußballer. Seine Karriere fiel in eine Übergangszeit, in der sich der deutsche Vereinsfußball strukturell veränderte und der Wettbewerb zunehmend professionalisiert wurde.
Der Aufstieg bei Borussia Dortmund
1960 schloss sich Emmerich Borussia Dortmund an. Dieser Wechsel sollte seine gesamte Karriere prägen. Beim BVB entwickelte er sich von einem talentierten jungen Angreifer zu einem der erfolgreichsten deutschen Torjäger seiner Generation.
Die offiziellen Statistiken des Deutschen Fußball-Bundes weisen für Emmerich 183 Bundesliga-Spiele und 115 Bundesliga-Tore für Borussia Dortmund aus. Insgesamt kam er für den BVB in Pflichtspielen auf mehr als 200 Einsätze und erzielte dabei eine beeindruckende Zahl von Treffern.
Sein Spiel war stark auf den Torabschluss ausgerichtet. Emmerich verfügte über eine enorme Schusskraft und war gleichzeitig mutig genug, auch aus schwierigen Positionen den Abschluss zu suchen. Gerade diese Kombination machte ihn für Verteidiger schwer auszurechnen.
Die Fans in Dortmund erkannten schnell seine besonderen Fähigkeiten. Sein Spitzname „Emma“ wurde zum festen Bestandteil seiner Identität. Wenn Emmerich den Ball in einer guten Position erhielt, konnte jederzeit ein spektakulärer Treffer entstehen.
Mit zunehmender Erfahrung wurde er zum Mittelpunkt des Dortmunder Angriffsspiels und zu einem der wichtigsten Spieler des Vereins.
Zwei Torjägerkanonen in Folge
Die Jahre 1965 und 1966 waren für Emmerich besonders erfolgreich. In der Bundesliga-Saison 1965/66 erzielte er 31 Tore und wurde damit Torschützenkönig. Ein Jahr später traf er 28-mal und gewann erneut die Torjägerkanone, diesmal gemeinsam mit Gerd Müller.
Diese Leistung war außergewöhnlich. In zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten gehörte Emmerich damit zur absoluten Spitze der deutschen Torjäger. Seine Treffer entstanden aus unterschiedlichen Situationen, wobei seine Schusskraft immer wieder eine entscheidende Rolle spielte.
Der Vergleich mit Gerd Müller ist besonders interessant. Müller entwickelte sich später zu einem der erfolgreichsten Torjäger der deutschen Nationalmannschaft und des internationalen Fußballs. Emmerich besaß dagegen ein anderes Profil. Seine berühmte linke Klebe, seine Distanzschüsse und seine Bereitschaft, aus spitzen Winkeln abzuschließen, machten ihn unverwechselbar.
Die beiden Torjägerkanonen waren deshalb nicht nur persönliche Auszeichnungen. Sie dokumentierten auch die Stellung Emmerichs im deutschen Vereinsfußball jener Zeit.
Der Europapokal der Pokalsieger 1966
Einer der größten Erfolge von Lothar Emmerich war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger mit Borussia Dortmund im Jahr 1966. Dortmund besiegte im Finale in Glasgow den englischen Spitzenklub FC Liverpool mit 2:1 nach Verlängerung.
Dieser Triumph hatte eine historische Bedeutung. Borussia Dortmund wurde damit zum ersten deutschen Verein, der einen europäischen Vereinswettbewerb gewann. Für den deutschen Fußball war dieser Erfolg ebenfalls ein wichtiger Schritt auf der internationalen Bühne.
Emmerich gehörte zu den prägenden Spielern dieser Dortmunder Mannschaft. Gemeinsam mit weiteren bekannten Akteuren wie Sigfried Held und Hans Tilkowski bildete er eine Mannschaft, die sich gegen starke europäische Konkurrenz behaupten konnte.
Der Europapokalsieg machte den BVB international bekannter und verlieh auch Emmerich eine größere Bedeutung. Seine Karriere war nun nicht mehr nur mit nationalen Erfolgen verbunden.
Der Triumph von 1966 gehört bis heute zu den wichtigsten historischen Momenten von Borussia Dortmund. Emmerichs Name ist untrennbar mit diesem Erfolg verbunden.
Die berühmte linke Klebe
Kaum ein Merkmal wird so stark mit Lothar Emmerich verbunden wie seine linke Klebe. Der Ausdruck beschrieb seine außergewöhnliche Schusskraft mit dem linken Fuß.
Emmerich konnte den Ball mit großer Geschwindigkeit und Wucht auf das Tor bringen. Besonders gefährlich wurde er, wenn er von der Seite oder aus einem scheinbar schlechten Winkel schießen konnte. Für viele Verteidiger war schwer vorherzusehen, wann er den direkten Abschluss suchen würde.
Diese Fähigkeit war kein zufälliges Spezialtalent. Sie war ein fester Bestandteil seiner Spielweise. Emmerich vertraute auf seinen linken Fuß und scheute sich nicht davor, auch schwierige Schüsse zu versuchen.
Seine berühmtesten Tore entstanden genau aus solchen Situationen. Dadurch entwickelte sich die „linke Klebe“ zu einem Teil seines sportlichen Erbes.
Auch heute erinnern sich Fußballfans an Emmerich häufig zuerst an diese besondere Schusstechnik. Sie machte ihn zu einem Spieler, dessen Torabschlüsse einen hohen Wiedererkennungswert hatten.
Die Weltmeisterschaft 1966
International wurde Lothar Emmerich vor allem durch seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1966 bekannt. Westdeutschland gehörte bei dem Turnier in England zu den stärksten Mannschaften und erreichte schließlich das Finale.
Emmerich bestritt insgesamt fünf A-Länderspiele für Westdeutschland und erzielte zwei Tore. Vier seiner fünf Einsätze absolvierte er während der Weltmeisterschaft 1966.
Besonders berühmt wurde sein Tor im Gruppenspiel gegen Spanien. Die deutsche Mannschaft gewann die Partie mit 2:1. Emmerich traf dabei aus einem extrem spitzen Winkel und erzielte einen Treffer, der zu den ikonischen Momenten des Turniers wurde. UEFA bezeichnete diesen Abschluss als spektakulären Treffer, der entscheidend zum Sieg gegen Spanien beitrug.
Das Tor war eine perfekte Demonstration seiner besonderen Fähigkeiten. Die Position schien für einen direkten Abschluss beinahe ungeeignet. Emmerich entschied sich trotzdem für den Schuss und wurde dafür belohnt.
Seine Leistung bei der Weltmeisterschaft machte ihn auch außerhalb Deutschlands bekannter.
Das WM-Finale gegen England
Westdeutschland erreichte bei der Weltmeisterschaft 1966 das Finale im Londoner Wembley-Stadion. Gegner war Gastgeber England. Die Partie wurde zu einem der bekanntesten WM-Endspiele der Fußballgeschichte.
England gewann nach Verlängerung mit 4:2 und sicherte sich den Weltmeistertitel. Für Westdeutschland blieb die Silbermedaille.
Für Emmerich war das Turnier trotzdem ein Höhepunkt seiner internationalen Karriere. Seine Nationalmannschaftslaufbahn war vergleichsweise kurz, doch er war Teil einer Mannschaft, die das Finale eines der bedeutendsten Fußballturniere der Welt erreichte.
Gerade weil Emmerich nur fünf Länderspiele absolvierte, ist seine internationale Geschichte ungewöhnlich. Im Verein war er über viele Jahre ein herausragender Torjäger, während seine Karriere in der Nationalmannschaft deutlich kürzer blieb.
Sein WM-Tor gegen Spanien sorgte jedoch dafür, dass sein Name auch international mit dem Turnier von 1966 verbunden blieb.
Weitere Stationen nach Borussia Dortmund
Nach seinen erfolgreichen Jahren in Dortmund wechselte Emmerich 1969 nach Belgien zu Beerschot. Auch dort setzte er seine Torjägerkarriere fort. UEFA zufolge wurde er in Belgien sogar Torschützenkönig.
Später kehrte er nach Deutschland zurück und spielte unter anderem für den 1. FC Schweinfurt 05, den Würzburger FV und die Würzburger Kickers. Auch in der 2. Bundesliga konnte er seine Torgefahr unter Beweis stellen.
In der Saison 1976/77 wurde Emmerich mit 24 Treffern Torschützenkönig der 2. Bundesliga Süd.
Diese Leistung zeigte, dass er auch im späteren Verlauf seiner aktiven Karriere noch über eine außergewöhnliche Torjägerqualität verfügte.
Seine Laufbahn war damit nicht auf seine große Zeit bei Borussia Dortmund beschränkt. Er konnte sich auch bei anderen Vereinen behaupten und seine Erfahrung an jüngere Spieler weitergeben.
Lothar Emmerich als Trainer
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere blieb Emmerich dem Fußball verbunden. Er arbeitete als Trainer und übernahm verschiedene Aufgaben bei Vereinen.
Unter anderem war er in den 1990er-Jahren bei kleineren deutschen Vereinen tätig. Dabei konnte er seine Erfahrungen aus einer langen Karriere an andere Fußballer weitergeben.
Als ehemaliger Torjäger verfügte er über ein besonderes Verständnis für die Anforderungen an Angreifer. Er kannte aus eigener Erfahrung die Bedeutung von Laufwegen, Abschlussstärke, Mut und der Fähigkeit, Chancen schnell zu erkennen.
Seine Zeit als Trainer erreichte zwar nicht die öffentliche Aufmerksamkeit seiner aktiven Karriere, doch sie zeigte seine dauerhafte Verbindung zum Fußball.
Auch zu Borussia Dortmund blieb der ehemalige Torjäger eng verbunden. Seine Beziehung zum Verein bestand über seine aktive Laufbahn hinaus fort.
Tod und Erinnerung an eine Vereinslegende
Lothar Emmerich starb am 13. August 2003 im Alter von 61 Jahren. Nach seinem Tod wurde er von vielen Weggefährten und Fußballfans als einer der großen Spieler der Dortmunder Vereinsgeschichte gewürdigt.
Seine sportliche Bilanz erklärt, warum sein Name bis heute bekannt ist. 115 Bundesliga-Tore in 183 Spielen für Borussia Dortmund sind eine außergewöhnliche Leistung. Dazu kommen zwei Torjägerkanonen und der Europapokalsieg von 1966.
Noch stärker als manche Statistik blieb jedoch seine Spielweise im Gedächtnis. Die enorme Kraft seines linken Fußes, sein Mut zum direkten Abschluss und seine spektakulären Tore machten ihn zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit.
Für Borussia Dortmund war Emmerich nicht einfach nur ein erfolgreicher Stürmer. Er wurde zu einer Vereinsikone einer wichtigen Epoche. Der Europapokalsieg von 1966 zählt zu den historischen Meilensteinen des BVB, und Emmerich war ein wichtiger Teil dieser Mannschaft.
Fazit
Lothar Emmerich war einer der herausragenden deutschen Torjäger der 1960er-Jahre. Seine Karriere bei Borussia Dortmund, seine beiden Torjägerkanonen, der Europapokalsieg von 1966 und seine Auftritte bei der Weltmeisterschaft machten ihn zu einer bedeutenden Persönlichkeit der deutschen Fußballgeschichte.
Besonders seine 115 Bundesliga-Tore in 183 Spielen zeigen seine außergewöhnliche Effektivität. Seine berühmte linke Klebe und seine Fähigkeit, aus fast unmöglichen Winkeln zu treffen, machten ihn zudem zu einem Spieler mit einem ganz eigenen Stil.
Sein Tor gegen Spanien bei der Weltmeisterschaft 1966 gehört zu den Bildern, die seine Karriere bis heute definieren. Es war ein Treffer, der perfekt zu dem mutigen und kraftvollen Angreifer passte, den die Fußballfans „Emma“ nannten.
Auch nach seiner aktiven Laufbahn blieb Emmerich dem Fußball als Trainer und Vereinsmitarbeiter verbunden. Sein Tod im Jahr 2003 beendete ein bewegtes Fußballleben, änderte aber nichts an seinem Platz in der Geschichte.
Lothar „Emma“ Emmerich bleibt vor allem als großer Dortmunder Torjäger, Europapokalsieger und Meister des spektakulären linken Fußes in Erinnerung. Seine Karriere steht für eine Zeit, in der einzelne Spieler mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Spielweise und ihren Toren eine besondere Verbindung zu einem Verein und seinen Fans entwickeln konnten.

