Einleitung
Werner Kreindl gehört zu den Schauspielern, die das deutsche Fernsehen über viele Jahre hinweg nachhaltig geprägt haben. Der österreichische Schauspieler und Regisseur wurde vor allem durch seine Rolle als Hauptkommissar Karl Göttmann in der ZDF-Krimiserie SOKO 5113 bekannt. Von 1978 bis 1992 stand er als Leiter der Münchner Sonderkommission vor der Kamera und war in insgesamt 123 Folgen zu sehen. (
Doch Kreindls Karriere begann lange vor seinem großen Fernseherfolg. Er kam aus dem Theater, arbeitete an bedeutenden deutschsprachigen Bühnen und entwickelte sich zu einem vielseitigen Charakterdarsteller. Neben Kriminalserien gehörten anspruchsvolle Literaturverfilmungen, historische Fernsehproduktionen und internationale Projekte zu seinem beruflichen Weg. Für seine Darstellung in Der Schüler Gerber erhielt er das Filmband in Gold. Auch in der international bekannten Miniserie Holocaust wirkte er neben Meryl Streep und James Woods mit.
Kindheit und frühe Jahre in Österreich
Werner Kreindl wurde am 20. Oktober 1927 in Wels in Oberösterreich geboren. Sein Vater war Polizeibeamter, während seine Mutter aus einer Weinbauernfamilie stammte. Als Einzelkind wuchs Kreindl in Vöcklabruck auf. Schon als Kind entwickelte er Interesse an der Schauspielerei und soll nach einer Kindertheateraufführung den Wunsch gefasst haben, selbst Schauspieler zu werden.
Während seiner Schulzeit zeigte sich allerdings auch eine andere Seite seiner Persönlichkeit. Kreindl war ein talentierter Leichtathlet und machte am Gymnasium sportlich auf sich aufmerksam. Nach dem Abitur führte ihn sein Weg zunächst an die Universität in Wien, wo er Germanistik und Theaterwissenschaft studierte.
Seine Jugend wurde jedoch durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs geprägt. Während seines Wehrdienstes gegen Ende des Krieges erlitt er eine schwere Kopfverletzung. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und widmete sich wieder seiner Ausbildung und seinem Interesse am Theater.
Der Weg zur Schauspielerei
1946 war Kreindl an der Gründung eines Studententheaters beteiligt. Diese praktische Arbeit auf der Bühne verstärkte seinen Wunsch, Schauspiel zum Beruf zu machen. Zwei Jahre später traf er eine wichtige Entscheidung: Er brach sein Studium ab und nahm sein erstes festes Theaterengagement in Graz an.
Damit begann eine jahrzehntelange Bühnenkarriere. Kreindl arbeitete später unter anderem am Wiener Burgtheater sowie an Bühnen in Bonn, Darmstadt und München. Auch in Berlin und Hamburg war er tätig. Besonders die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Rudolf Noelte spielte für seine künstlerische Entwicklung eine wichtige Rolle.
Sein Repertoire war breit gefächert. Kreindl spielte klassische und moderne Stücke und war nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt. Die intensive Theaterarbeit bildete die Grundlage für seinen späteren Erfolg beim Film und Fernsehen.
Seine Bühnenausbildung half ihm dabei, auch komplexe Figuren glaubwürdig darzustellen. Gerade seine Fähigkeit, Autorität, Ernsthaftigkeit und innere Spannung mit relativ zurückhaltender Spielweise auszudrücken, wurde später zu einem wichtigen Merkmal seiner Fernsehrollen.
Erste Erfolge bei Film und Fernsehen
In den 1960er-Jahren wurde Werner Kreindl zunehmend für das Fernsehen entdeckt. Zu seinen frühen bemerkenswerten Arbeiten gehörte der Mehrteiler Nobile – Sieben Wochen auf dem Eis aus dem Jahr 1967. Auch in historischen und politischen Fernsehproduktionen übernahm er anspruchsvolle Rollen. Dazu gehörte beispielsweise Der Reichstagsbrandprozess, in dem er Hermann Göring verkörperte.
Daneben wirkte Kreindl in Produktionen wie Die rote Kapelle, Der Monddiamant, Das schöne Ende dieser Welt und Das Eichmann-Protokoll mit. Seine Filmografie zeigt, dass er sich bereits vor SOKO 5113 als vielseitiger Charakterdarsteller etabliert hatte.
Er war außerdem regelmäßig in bekannten Krimiformaten zu sehen. Gastauftritte in Der Alte, Derrick, Tatort und Der Kommissar machten ihn einem breiten Publikum vertraut. Dabei spielte er nicht immer Ermittler, sondern übernahm unterschiedliche Rollen, darunter Verdächtige, Geschäftsleute, Beamte und andere wichtige Charaktere.
Werner Kreindl als Karl Göttmann in SOKO 5113
Der entscheidende Wendepunkt in Kreindls Karriere kam 1978 mit dem Start von SOKO 5113. Die Serie wurde am 2. Januar 1978 erstmals ausgestrahlt und war eine der ersten deutschen Fernsehserien, die sich speziell auf die Arbeit einer Sonderkommission konzentrierte.
Werner Kreindl übernahm die Rolle des Hauptkommissars Karl Göttmann, der die Münchner Sonderkommission leitete. Die Figur wurde zum Mittelpunkt der frühen Serienjahre. Kreindl spielte Göttmann von 1978 bis 1992 und war insgesamt in 123 Folgen zu sehen.
Göttmann war kein übertriebener Actionheld. Die Figur wurde vor allem durch Erfahrung, Sachlichkeit und eine gewisse Autorität geprägt. Kreindl konnte diese Eigenschaften mit seinem ruhigen und gleichzeitig markanten Schauspielstil glaubwürdig vermitteln.
Die Serie selbst wurde zu einem großen Erfolg und entwickelte sich zu einer der langlebigsten Krimiserien des deutschen Fernsehens. Aus SOKO 5113 wurde später SOKO München, bevor die Produktion im Jahr 2020 nach 46 Staffeln beendet wurde.
Weitere Krimiserien und bekannte Fernsehrollen
Obwohl Karl Göttmann seine bekannteste Rolle blieb, bestand Kreindls Karriere aus wesentlich mehr als SOKO 5113. Er war regelmäßig in anderen bekannten Krimiserien zu sehen. Dazu gehörten Der Alte und Derrick, aber auch Tatort und Der Kommissar.
Seine Vielseitigkeit machte ihn für das Fernsehen besonders wertvoll. Er konnte sowohl einen glaubwürdigen Ermittler als auch einen schwierigen Verdächtigen oder eine Autoritätsperson darstellen.
Zu seinen weiteren Produktionen gehörten unter anderem Stützen der Gesellschaft, Die Quelle, Die großen Sebastians, Die Formel, Polizeiinspektion 1 und Der schwarze Bumerang.
Dabei wechselte er zwischen Kriminalgeschichten, Literaturverfilmungen, historischen Stoffen und Unterhaltungsproduktionen. Gerade diese Bandbreite zeigt, dass Kreindl nicht ausschließlich auf seine spätere Fernsehrolle reduziert werden sollte.
Der Erfolg mit Der Schüler Gerber
Eine besonders bedeutende Leistung gelang Werner Kreindl 1981 in der Verfilmung von Friedrich Torbergs Roman Der Schüler Gerber. Kreindl spielte darin den Lehrer Artur Kupfer. Die Rolle verlangte eine differenzierte Darstellung einer autoritären und zugleich komplexen Persönlichkeit.
Für seine schauspielerische Leistung erhielt Kreindl das Filmband in Gold. Diese Auszeichnung unterstrich seine Stellung als ernsthafter und vielseitiger Schauspieler.
Die Rolle war auch deshalb wichtig, weil sie zeigte, dass Kreindl neben seinen populären Fernsehauftritten weiterhin anspruchsvolle Filmrollen übernehmen konnte. Seine Karriere verband damit Unterhaltung und künstlerisch ambitionierte Produktionen.
Für viele Schauspieler ist eine langfristige Fernsehrolle ein wichtiger Erfolg, doch Kreindl bewies mit solchen Projekten, dass sein schauspielerisches Spektrum deutlich größer war.
Internationale Produktion Holocaust
Im selben Jahr, in dem Der Schüler Gerber erschien, war Kreindl auch Teil der internationalen Fernsehproduktion Holocaust. Die amerikanische Miniserie beschäftigte sich mit der Geschichte einer jüdischen Familie während der Zeit des Nationalsozialismus und wurde international stark beachtet.
Kreindl gehörte zu den deutschsprachigen Schauspielern der Produktion und spielte an der Seite international bekannter Darsteller wie Meryl Streep und James Woods.
Die Beteiligung an Holocaust war ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere. Sie zeigte, dass Kreindl nicht nur im deutschsprachigen Fernsehen gefragt war, sondern auch in großen internationalen Produktionen eingesetzt wurde.
Später wirkte er außerdem in The Winds of War beziehungsweise Der Feuersturm mit, einer umfangreichen amerikanischen Fernsehproduktion aus dem Jahr 1983.
Diese internationalen Arbeiten erweiterten sein ohnehin umfangreiches berufliches Profil.
Ehe mit Diana Körner und Familie
Auch im Privatleben war Werner Kreindl mit der Schauspielwelt verbunden. 1980 heiratete er die deutsche Schauspielerin Diana Körner. Die beiden blieben bis zu seinem Tod im Jahr 1992 verheiratet. Gemeinsam bekamen sie 1982 eine Tochter, Jenny-Joy Kreindl, die später ebenfalls Schauspielerin wurde.
Kreindls Sohn Michael Kreindl, der aus einer früheren Beziehung stammt, wurde ebenfalls in der Filmbranche tätig und arbeitete als Regisseur. Damit setzte sich die Verbindung der Familie zur darstellenden Kunst auch in der nächsten Generation fort.
Diana Körner selbst hatte eine erfolgreiche Karriere im deutschen Film, Fernsehen und Theater. Ihre Verbindung mit Kreindl war daher auch eine Verbindung zweier etablierter Schauspielpersönlichkeiten.
Trotz ihrer Bekanntheit hielt Kreindl sein Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Im Mittelpunkt stand für ihn seine Arbeit als Schauspieler.
Sein Tod und das Ende von Karl Göttmann
Werner Kreindl starb am 6. Juni 1992 im Alter von 64 Jahren in Wagrain an einem Herzinfarkt. Sein Tod kam unerwartet, während er weiterhin beruflich aktiv war.
Besonders einschneidend war sein Tod für SOKO 5113. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die zehnte Folge der zwölften Staffel mit ihm abgedreht. Ursprünglich sollte Karl Göttmann in der folgenden Episode als Leiter der SOKO abgelöst, in den Innendienst versetzt und zum Kriminaldirektor befördert werden.
Nach Kreindls Tod musste das Drehbuch geändert werden. Statt Göttmann in den Innendienst zu versetzen, wurde auch die Serienfigur sterben gelassen. Damit erhielt die Serie einen emotionalen Einschnitt, der unmittelbar mit dem realen Tod ihres langjährigen Hauptdarstellers verbunden war.
Kreindls Grab befindet sich auf dem Münchner Friedhof Bogenhausen.
Das Vermächtnis von Werner Kreindl
Werner Kreindl hinterließ ein umfangreiches Werk, das weit über seine berühmteste Rolle hinausgeht. Er war ein klassisch ausgebildeter Theaterschauspieler, ein gefragter Film- und Fernsehdarsteller und arbeitete auch in internationalen Produktionen.
Seine Darstellung von Karl Göttmann bleibt jedoch besonders eng mit der Geschichte von SOKO 5113 verbunden. Die Serie startete 1978 und wurde später unter dem Namen SOKO München fortgeführt. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete sie als die älteste SOKO-Serie im deutschen Fernsehen.
Kreindl prägte die ersten Jahre entscheidend. Sein Karl Göttmann war ein Ermittler, dessen Stärke weniger in spektakulären Aktionen als in Erfahrung, Konsequenz und genauer Beobachtung lag. Dadurch wurde die Figur für viele Zuschauer zu einem charakteristischen Gesicht der frühen Serie.
Gleichzeitig zeigen seine Arbeiten in Der Schüler Gerber, Holocaust, The Winds of War und zahlreichen weiteren Produktionen, dass sein künstlerisches Vermächtnis wesentlich breiter ist. Seine Karriere verband anspruchsvolles Theater mit populärem Fernsehen und internationalem Film.
Fazit
Werner Kreindl war ein vielseitiger österreichischer Schauspieler, dessen Karriere mehrere Jahrzehnte umspannte. Von seinen frühen Theaterjahren in Österreich führte sein Weg zu bedeutenden deutschsprachigen Bühnen und schließlich zu Film und Fernsehen. Seine Erfahrungen auf der Bühne bildeten die Grundlage für seine späteren überzeugenden Charakterrollen.
Den größten Bekanntheitsgrad erreichte er als Hauptkommissar Karl Göttmann in SOKO 5113. Zwischen 1978 und 1992 verkörperte er den Leiter der Münchner Sonderkommission in 123 Folgen und prägte damit die Anfangszeit einer Serie, die später als SOKO München über Jahrzehnte fortgeführt wurde.
Doch Werner Kreindl war weit mehr als der Kommissar aus einer beliebten Krimiserie. Seine Theaterarbeit, das Filmband in Gold für Der Schüler Gerber sowie seine Mitwirkung an internationalen Produktionen wie Holocaust zeigen seine große schauspielerische Bandbreite.
Sein Tod im Jahr 1992 beendete seine Karriere viel zu früh. Gleichzeitig blieb seine Arbeit über seine zahlreichen Film- und Fernsehrollen erhalten. Besonders Karl Göttmann ist bis heute Teil der Geschichte des deutschen Krimifernsehens und erinnert an einen Schauspieler, der mit ruhiger Präsenz und großer Erfahrung eine ganze Ära der deutschen Fernsehunterhaltung mitprägte.

