Einleitung
Gerhard Freund war eine vielseitige Persönlichkeit der österreichischen Medien- und Kulturlandschaft. Er arbeitete als Schauspieler, Operettenbuffo, Journalist, Rundfunkmitarbeiter, Fernsehmanager und Kulturfunktionär. Besonders bekannt wurde er als erster Fernsehdirektor des österreichischen Rundfunks. In dieser Position war er in einer entscheidenden Phase für den Aufbau und die Entwicklung des österreichischen Fernsehens verantwortlich. Später setzte er seine Karriere in der deutschen Fernsehproduktion sowie im Wiener Kulturmanagement fort.
Gerhard Freund wurde am 5. September 1925 in Wien geboren und starb am 29. Mai 1979 ebenfalls in Wien. Sein beruflicher Weg begann auf der Bühne und führte ihn über den Rundfunk zum Fernsehen. Später leitete er die Wiener Stadthalle und übernahm die Intendanz der Wiener Festwochen. Dadurch war sein Leben eng mit mehreren wichtigen Bereichen der österreichischen Kulturgeschichte verbunden.
Kindheit und Jugend von Gerhard Freund
Gerhard Freund wurde 1925 in Wien geboren. Sein Vater war Lehrer, und seine Jugend fiel in eine Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Veränderungen in Europa. Wie viele Menschen seiner Generation wurde auch Freund durch den Zweiten Weltkrieg geprägt.
Im Alter von 18 Jahren wurde er zur deutschen Wehrmacht eingezogen und nach Frankreich geschickt. Die Erfahrungen aus dieser Zeit begleiteten ihn auch später. Ein Kriegstagebuch, das er während dieser Jahre führte, blieb erhalten und wurde später durch seinen Sohn René Freund literarisch aufgearbeitet.
Nach dem Ende des Krieges begann für Gerhard Freund ein neuer Lebensabschnitt. Er entschied sich dafür, im kulturellen und medialen Bereich zu arbeiten. Statt eine klassische Verwaltungslaufbahn einzuschlagen, wandte er sich zunächst dem Theater und der Schauspielerei zu.
Diese Entscheidung bildete die Grundlage für eine ungewöhnliche Karriere, die später weit über die Bühne hinausreichen sollte.
Erste Schritte als Schauspieler und Operettenbuffo
Nach dem Krieg absolvierte Gerhard Freund eine Schauspielprüfung und begann als Schauspieler zu arbeiten. Außerdem war er als Operettenbuffo tätig. Dabei handelte es sich um eine typische komische Männerrolle in der Operette, die neben schauspielerischen Fähigkeiten auch musikalisches Talent erforderte.
Freund konnte auf diese Weise Erfahrungen mit Bühne, Sprache, Unterhaltung und Publikum sammeln. Unter anderem war er am Stadttheater in Baden bei Wien tätig. Die Arbeit im Theater vermittelte ihm ein Verständnis dafür, wie Unterhaltung produziert und einem Publikum präsentiert wird.
Diese Erfahrungen waren später für seine Arbeit im Rundfunk und Fernsehen von großer Bedeutung. Denn auch das Fernsehen benötigte Menschen, die nicht nur technische Abläufe verstanden, sondern auch wussten, welche Inhalte Zuschauer interessieren konnten.
Gerhard Freund entwickelte sich daher allmählich von einem Künstler zu einem Medienorganisator. Sein Wechsel vom Theater zum Rundfunk war ein entscheidender Schritt in seiner späteren Karriere.
Gerhard Freund beim Rundfunk
Nach seiner Tätigkeit auf der Bühne arbeitete Freund beim Rundfunk. Er war an Sendungen des Österreichischen Gewerkschaftsbundes beim Sender Rot-Weiß-Rot beteiligt. Der Rundfunk war zu dieser Zeit bereits ein wichtiges Medium, während das Fernsehen noch in den Anfängen steckte.
Für Freund bot die Arbeit beim Radio die Möglichkeit, seine Erfahrungen aus Schauspiel und Unterhaltung mit journalistischer und organisatorischer Arbeit zu verbinden. Er lernte, wie Programme geplant, produziert und einem großen Publikum vermittelt werden.
In den 1950er Jahren begann Österreich mit dem Aufbau eines regelmäßigen Fernsehdienstes. Freund gehörte zu den Personen, die an dieser Entwicklung beteiligt waren. Seine Erfahrungen aus verschiedenen Medien machten ihn zu einem geeigneten Kandidaten für eine Führungsposition im neuen Medium.
Der Übergang vom Radio zum Fernsehen war für ihn deshalb ein natürlicher nächster Schritt.
Der erste Fernsehdirektor Österreichs
Eine der wichtigsten Stationen in Gerhard Freunds Leben war seine Ernennung zum ersten Fernsehdirektor des österreichischen Rundfunks. Diese Funktion übernahm er 1957. Er blieb bis 1967 in diesem Amt.
Die Bedeutung dieser Position lässt sich nur verstehen, wenn man die damalige Situation betrachtet. Fernsehen war in Österreich noch ein junges Medium. Es gab keine Streamingplattformen, keine digitalen Sender und nur eine begrenzte Zahl von Fernsehgeräten. Programmstrukturen und redaktionelle Standards mussten erst entwickelt werden.
Freund war damit an einer grundlegenden Aufbauphase beteiligt. Er musste verschiedene Bereiche miteinander verbinden und dafür sorgen, dass aus einzelnen technischen Versuchen ein dauerhaftes Fernsehprogramm entstand.
Der regelmäßige österreichische Fernsehbetrieb begann am 1. Januar 1957. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Zuschauer und Fernsehteilnehmer deutlich. Das Medium entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Bestandteil des österreichischen Alltags.
Gerhard Freund stand während dieser entscheidenden zehn Jahre an der Spitze des Fernsehens.
Frühe Fernsehprogramme und „Zeit im Bild“
Während seiner Zeit als Fernsehdirektor entstanden zahlreiche frühe Formate. Eine besondere Rolle spielte die Kundendienstsendung „Dienst am Kunden“. Freund war nicht nur als Fernsehdirektor mit der Sendung verbunden, sondern trat auch als Moderator auf.
Auch die Entwicklung der Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ fällt in diese frühe Phase des österreichischen Fernsehens. Die Sendung wurde 1957 erstmals ausgestrahlt und entwickelte sich später zu einer der wichtigsten Nachrichtensendungen des Landes.
Das Fernsehen musste damals erst herausfinden, wie Nachrichten für das neue Medium aufbereitet werden konnten. Filmberichte, Sprechertexte und aktuelle Informationen mussten miteinander verbunden werden.
Gerhard Freund war Teil dieser frühen Entwicklungsphase. Seine Erfahrungen aus Journalismus, Unterhaltung und Rundfunk halfen ihm dabei, die unterschiedlichen Anforderungen des Fernsehens zu verstehen.
In den Jahren seiner Tätigkeit wuchs das Medium kontinuierlich. Ende der 1950er Jahre verfügten bereits immer mehr österreichische Haushalte über Fernsehgeräte.
Politik und das Ende seiner Tätigkeit beim Fernsehen
Gerhard Freunds Tätigkeit als Fernsehdirektor fiel in eine politisch stark geprägte Zeit. Der österreichische Rundfunk war damals eng mit dem politischen System des Landes verbunden. Das sogenannte Proporzsystem beeinflusste auch die Besetzung wichtiger Positionen.
Freund wurde dem sozialdemokratischen Lager zugerechnet. Seine Stellung innerhalb des Rundfunks wurde deshalb auch politisch diskutiert. Besonders das Rundfunkvolksbegehren von 1964 machte deutlich, dass die Organisation und politische Unabhängigkeit des Rundfunks zunehmend öffentlich hinterfragt wurden.
In den folgenden Jahren kam es zu Veränderungen in der Rundfunkorganisation. 1967 endete schließlich Freunds Tätigkeit als Fernsehdirektor. Helmut Zilk übernahm danach diese Funktion.
Für Freund bedeutete das Ende seiner Tätigkeit jedoch keineswegs das Ende seiner Medienkarriere. Im Gegenteil: Er wechselte nach Deutschland und begann dort einen neuen Abschnitt als Fernsehproduzent.
Karriere als Fernsehproduzent in München
1967 ging Gerhard Freund nach München. Dort wurde er alleiniger Geschäftsführer der Fernsehproduktionsfirma Intertel. Damit wechselte er von einer öffentlich geprägten Rundfunkorganisation in den Bereich der privaten Fernsehproduktion.
Seine Erfahrungen aus Österreich konnte er in dieser neuen Position nutzen. Er kannte sowohl die redaktionelle Seite des Fernsehens als auch die organisatorischen Herausforderungen großer Produktionen.
In München war sein Name unter anderem mit Fernsehproduktionen wie „Münchner Geschichten“ verbunden. Auch bei weiteren Fernsehproduktionen wurde er als Produzent geführt.
Die Arbeit in Deutschland erweiterte seinen beruflichen Horizont. Freund war nun nicht mehr nur mit dem österreichischen Rundfunk verbunden, sondern arbeitete in der deutschsprachigen Fernsehlandschaft insgesamt.
Seine Karriere zeigt damit, wie sich die Aufgaben eines Medienmanagers im Laufe der Jahrzehnte verändern konnten. Er hatte zunächst selbst auf der Bühne gestanden und war später für die Organisation und Produktion von Fernsehprogrammen verantwortlich.
Rückkehr nach Wien und die Wiener Stadthalle
1974 kehrte Gerhard Freund nach Wien zurück. Dort übernahm er eine wichtige Funktion im Kultur- und Veranstaltungsbereich. Er wurde Direktor der Wiener Stadthalle beziehungsweise Vorsitzender der zuständigen Veranstaltungsorganisation.
Die Wiener Stadthalle war bereits damals ein bedeutender Ort für Konzerte, Sportveranstaltungen, Shows und kulturelle Ereignisse. Freund konnte dort seine langjährige Erfahrung aus Fernsehen, Unterhaltung und Veranstaltungsorganisation einsetzen.
Seine neue Aufgabe unterschied sich zwar vom Fernsehen, war aber in vielerlei Hinsicht mit seiner bisherigen Arbeit verbunden. Auch bei Großveranstaltungen mussten Programme geplant, Künstler betreut, Zuschauer erreicht und organisatorische Abläufe koordiniert werden.
Freund wollte die Stadthalle als wichtigen kulturellen Veranstaltungsort weiterentwickeln. Seine Tätigkeit fiel in eine Zeit, in der Wien seine Position als internationale Kulturstadt weiter ausbauen wollte.
Intendant der Wiener Festwochen
1977 übernahm Gerhard Freund zusätzlich die Intendanz der Wiener Festwochen. Diese Aufgabe gehörte zu den Höhepunkten seiner Karriere im Kulturbereich.
Die Wiener Festwochen verbinden verschiedene Formen der Kunst, darunter Theater, Oper, Musik und Tanz. Für Freund war diese Position eine Möglichkeit, seine unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen miteinander zu verbinden.
Für die Festwochen 1978 entwickelte er ein Programm, das sich unter anderem mit dem Biedermeier und dem Vormärz beschäftigte. Gleichzeitig spielte Franz Schubert eine wichtige Rolle, da sich 1978 sein 150. Todestag jährte.
Das Programm verband historische Themen mit unterschiedlichen Kunstformen. Damit zeigte sich Freunds Interesse daran, Kultur nicht nur als einzelne Veranstaltung, sondern als umfassendes Erlebnis zu gestalten.
Seine Zeit als Intendant war allerdings kurz. Nur zwei Jahre nach seiner Ernennung starb er in Wien.
Familie, Tod und persönliches Vermächtnis
Gerhard Freund war verheiratet und hatte mehrere Kinder. Einer seiner Söhne, René Freund, wurde später selbst als österreichischer Schriftsteller bekannt.
René Freund beschäftigte sich auch mit der Geschichte seines Vaters. Besonders die Kriegserlebnisse von Gerhard Freund wurden durch das erhaltene Kriegstagebuch zu einem Teil der Familiengeschichte. Dadurch blieb nicht nur seine berufliche Tätigkeit, sondern auch ein persönlicher Teil seines Lebens dokumentiert.
Gerhard Freund starb am 29. Mai 1979 in Wien. Er war zu diesem Zeitpunkt erst 53 Jahre alt. Sein Tod kam zu einem Zeitpunkt, als er noch als Direktor der Wiener Stadthalle und Intendant der Wiener Festwochen tätig war.
Sein früher Tod beendete eine außergewöhnlich vielseitige Karriere. Er wurde auf dem Hietzinger Friedhof in Wien beigesetzt.
Gerhard Freunds Bedeutung für Österreich
Gerhard Freund hinterließ Spuren in mehreren Bereichen. Besonders wichtig war seine Rolle beim Aufbau des österreichischen Fernsehens. Als erster Fernsehdirektor stand er an einer Stelle, an der grundlegende Entscheidungen über Programme und Strukturen getroffen werden mussten.
Seine spätere Arbeit als Fernsehproduzent in München zeigt, dass er auch außerhalb Österreichs erfolgreich tätig war. Nach seiner Rückkehr nach Wien widmete er sich wiederum stärker der Kultur und dem Veranstaltungswesen.
Seine Karriere verbindet deshalb mehrere wichtige Institutionen und Bereiche: Theater, Rundfunk, Fernsehen, Fernsehproduktion, Wiener Stadthalle und Wiener Festwochen.
Auch die Entwicklung des österreichischen Fernsehens in den 1950er und 1960er Jahren kann nicht vollständig ohne die Namen der damaligen Verantwortlichen verstanden werden. Freund gehörte zu dieser ersten Generation von Medienmanagern, die das Fernsehen als neues Massenmedium aufbauten.
Fazit
Gerhard Freund war eine der interessanten Persönlichkeiten der österreichischen Medien- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Er begann seine Laufbahn als Schauspieler und Operettenbuffo, wechselte zum Rundfunk und wurde schließlich zum ersten Fernsehdirektor des österreichischen Rundfunks.
Von 1957 bis 1967 war er maßgeblich an der Entwicklung des jungen österreichischen Fernsehens beteiligt. In diese Zeit fielen wichtige Anfänge von Nachrichtensendungen und anderen Fernsehformaten. Danach setzte er seine Laufbahn als Fernsehproduzent in München fort.
Nach seiner Rückkehr nach Wien übernahm er die Leitung der Wiener Stadthalle und wurde später Intendant der Wiener Festwochen. Damit reichte sein beruflicher Weg von der Schauspielkunst über Journalismus und Fernsehen bis zum internationalen Kulturmanagement.
Gerhard Freund starb 1979 im Alter von nur 53 Jahren. Trotz seines frühen Todes blieb sein Name mit wichtigen Entwicklungen des österreichischen Fernsehens und Wiener Kulturlebens verbunden. Sein Lebensweg zeigt eindrucksvoll, wie ein Künstler durch Rundfunk und Fernsehen zu einem einflussreichen Medien- und Kulturmanager werden konnte.

