Einleitung
Iman Mohamed Abdulmajid, international vor allem unter dem Namen Iman bekannt, gehört zu den bedeutendsten Supermodels der modernen Modegeschichte. Die aus Somalia stammende Modellegende wurde in den 1970er-Jahren entdeckt und erlangte innerhalb weniger Jahre internationale Bekanntheit. Mit ihrem besonderen Aussehen, ihrer eleganten Ausstrahlung und ihrem selbstbewussten Auftreten wurde sie zu einer wichtigen Persönlichkeit in einer Modewelt, die damals noch deutlich weniger vielfältig war als heute.
Imans Karriere beschränkte sich jedoch nicht auf den Laufsteg. Sie arbeitete mit berühmten Fotografen und Designern, trat als Schauspielerin auf und wurde später zu einer erfolgreichen Unternehmerin. Besonders nachhaltig war die Gründung von IMAN Cosmetics, einer Kosmetikmarke, die Frauen mit unterschiedlichen Hauttönen stärker berücksichtigte. Auch ihr gesellschaftliches Engagement und ihre Arbeit für mehr Vielfalt machten sie zu einer einflussreichen Persönlichkeit.
Weltweit bekannt wurde Iman außerdem durch ihre Ehe mit dem britischen Rockmusiker David Bowie. Die beiden heirateten 1992 und waren bis zu Bowies Tod im Jahr 2016 miteinander verbunden. Trotz ihrer Berühmtheit versuchten sie, ihr gemeinsames Privatleben weitgehend zu schützen.
Kindheit und Herkunft von Iman
Iman Mohamed Abdulmajid wurde am 25. Juli 1955 in Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, geboren. Sie wuchs in einer gebildeten Familie auf. Ihr Vater war Diplomat, wodurch Iman bereits früh mit verschiedenen Ländern, Sprachen und kulturellen Einflüssen in Kontakt kam. Ihre Familie legte großen Wert auf Bildung, und Iman entwickelte schon in jungen Jahren eine internationale Perspektive.
Ihre Kindheit war nicht von der Vorstellung geprägt, eines Tages ein berühmtes Model zu werden. Iman interessierte sich zunächst für Bildung und Politik. Sie studierte später Politikwissenschaften an der University of Nairobi in Kenia. Zu diesem Zeitpunkt war eine Karriere in der internationalen Modebranche für sie nicht das eigentliche Ziel.
Iman wuchs außerdem mehrsprachig auf. Ihre Kenntnisse verschiedener Sprachen halfen ihr später dabei, sich in der internationalen Modewelt zurechtzufinden. Der Wechsel von einem akademischen Umfeld in die Modebranche war für sie deshalb ein großer persönlicher Schritt.
Ihre Herkunft blieb während ihrer gesamten Karriere ein wichtiger Teil ihrer Identität. Iman wurde nicht einfach zu einem internationalen Model, das seine Herkunft hinter sich ließ. Vielmehr trug sie ihre afrikanische Identität selbstbewusst in eine internationale Branche und wurde dadurch zu einer wichtigen Vertreterin schwarzer Schönheit.
Die Entdeckung durch Peter Beard
Der entscheidende Wendepunkt in Imans Leben kam 1975. Während ihres Aufenthalts in Nairobi wurde sie vom amerikanischen Fotografen Peter Beard entdeckt. Beard war für seine Fotografien aus Afrika bekannt und erkannte Imans außergewöhnliche fotogene Erscheinung.
Die Begegnung veränderte Imans Leben grundlegend. Aus der Studentin wurde innerhalb kurzer Zeit ein Model mit internationalen Möglichkeiten. Beard fotografierte sie und stellte Kontakte zur internationalen Modewelt her. Danach ging Iman in die Vereinigten Staaten, wo sie ihre professionelle Modelkarriere begann.
Für Iman bedeutete der Schritt in die amerikanische Modewelt einen kompletten Wechsel ihres bisherigen Lebens. Sie musste sich an eine neue Gesellschaft, eine neue Arbeitswelt und einen völlig anderen kulturellen Alltag gewöhnen. Gleichzeitig entwickelte sie schnell eine eigene Position in der Modebranche.
Bereits 1976 erhielt sie einen wichtigen Auftrag für die amerikanische Ausgabe der Vogue. Dieser frühe Erfolg war ein Zeichen dafür, dass sie nicht nur als exotische Neuentdeckung betrachtet wurde, sondern das Potenzial für eine langfristige internationale Karriere besaß.
Aufstieg zum Supermodel
In den folgenden Jahren wurde Iman zu einem der bekanntesten Models ihrer Generation. Ihre Erscheinung unterschied sich deutlich von vielen anderen Models ihrer Zeit. Ihre elegante Körperhaltung, ihr langer Hals und ihre markanten Gesichtszüge machten sie zu einem gefragten Gesicht für Editorials, Werbekampagnen und Modenschauen.
Sie arbeitete mit einigen der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts zusammen. Dazu gehörten unter anderem Richard Avedon, Helmut Newton, Irving Penn und Annie Leibovitz. Diese Zusammenarbeit mit bekannten Fotografen trug dazu bei, Iman dauerhaft in der internationalen Modegeschichte zu verankern.
Auch große Designer wurden auf sie aufmerksam. Besonders bekannt wurde ihre Verbindung zu Yves Saint Laurent. Der französische Designer betrachtete Iman als Muse und präsentierte sie in seiner „African Queen“-Kollektion. Darüber hinaus arbeitete sie mit zahlreichen anderen bedeutenden Modehäusern und Designern zusammen.
Iman war damit nicht nur ein Model, das Kleidung auf einem Laufsteg zeigte. Sie wurde selbst zu einem Symbol für Stil und Eleganz. Ihre Karriere war außerdem ein wichtiger Schritt für die Repräsentation schwarzer Frauen in der internationalen Mode.
Bedeutung für schwarze Models
Imans Erfolg hatte eine größere Bedeutung als nur ihre persönlichen beruflichen Erfolge. In den 1970er- und 1980er-Jahren waren schwarze Models in der internationalen Modebranche deutlich weniger vertreten als heute. Viele Kampagnen und Magazine konzentrierten sich auf ein sehr begrenztes Schönheitsideal.
Iman half dabei, dieses Bild zu verändern. Sie bewies, dass ein afrikanisches Model auf den wichtigsten internationalen Laufstegen und in den bedeutendsten Modemagazinen erfolgreich sein konnte. Dabei wurde ihre Herkunft zu einem Teil ihrer Stärke und nicht zu einem Hindernis.
Sie sprach auch offen über die Schwierigkeiten, mit denen schwarze Models konfrontiert waren. Dazu gehörte nicht nur die geringe Zahl von Aufträgen, sondern auch die fehlende Vielfalt bei Make-up und Haarstyling. Diese Erfahrungen sollten später eine wichtige Grundlage für ihre unternehmerische Tätigkeit werden.
Iman gehört deshalb zu einer Generation von Models, die den Weg für spätere schwarze Supermodels ebneten. Ihre Karriere trug dazu bei, die Vorstellung davon zu erweitern, welche Frauen in der internationalen Modewelt sichtbar sein konnten.
Iman Cosmetics und ihre Karriere als Unternehmerin
Nach vielen Jahren in der Modebranche begann Iman, sich stärker dem Unternehmertum zu widmen. Ein wichtiges Problem hatte sie bereits während ihrer Modelkarriere kennengelernt: Für ihre Hautfarbe waren passende Kosmetikprodukte oft schwer zu finden.
Bei Fotoshootings musste Make-up teilweise individuell angepasst oder aus mehreren Farbtönen zusammengemischt werden. Iman erkannte darin nicht nur ein persönliches Problem, sondern eine große Marktlücke. Sie wollte Produkte schaffen, die Frauen mit verschiedenen Hautfarben besser gerecht wurden.
1994 gründete sie IMAN Cosmetics. Die Marke konzentrierte sich insbesondere auf Kosmetik für Frauen of Color und wurde zu einem wichtigen Teil ihrer beruflichen Identität. Iman verband dabei ihre eigenen Erfahrungen als Model mit ihrem Geschäftssinn.
Der Erfolg von IMAN Cosmetics zeigte, dass die Nachfrage nach vielfältigen Beauty-Produkten groß war. Gleichzeitig hatte das Unternehmen eine kulturelle Bedeutung. Iman machte deutlich, dass Frauen mit dunkleren Hauttönen nicht nur eine kleine Nischenzielgruppe waren, sondern einen wichtigen Teil des Beauty-Marktes darstellten.
Schauspiel und weitere berufliche Projekte
Iman war nicht ausschließlich in der Mode- und Beautybranche tätig. Sie arbeitete auch als Schauspielerin und übernahm Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. Zu ihren bekannten Filmauftritten gehört „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ aus dem Jahr 1991.
Auch im Fernsehen war sie in unterschiedlichen Projekten zu sehen. Ihre Erfahrungen aus der Modebranche machten sie zu einer interessanten Persönlichkeit für Lifestyle- und Unterhaltungssendungen.
Im Laufe ihrer Karriere veröffentlichte sie außerdem Bücher und beschäftigte sich mit verschiedenen Mode- und Designprojekten. Sie zeigte damit, dass ihre berufliche Entwicklung nicht vom klassischen Modelberuf abhängig war.
Besonders bemerkenswert ist, wie erfolgreich sie ihre Bekanntheit in langfristige Projekte umwandeln konnte. Viele Models sind vor allem während ihrer aktiven Laufstegzeit bekannt. Iman entwickelte dagegen eine zweite Karriere als Unternehmerin und etablierte sich damit auch außerhalb der Modewelt.
Ehe mit David Bowie und Familienleben
1990 lernte Iman den britischen Musiker David Bowie kennen. Bowie war zu diesem Zeitpunkt bereits eine der bekanntesten Persönlichkeiten der internationalen Musikgeschichte. Die Beziehung zwischen dem Musiker und dem Supermodel sorgte entsprechend für großes öffentliches Interesse.
1992 heirateten Iman und David Bowie. Ihre Ehe dauerte bis zu Bowies Tod am 10. Januar 2016. Obwohl beide international berühmt waren, bemühten sie sich, ihr Familienleben weitgehend privat zu halten.
Gemeinsam bekamen sie eine Tochter, Alexandria Zahra Jones, die im Jahr 2000 geboren wurde. Iman hatte außerdem bereits eine Tochter aus ihrer früheren Ehe mit dem Basketballspieler Spencer Haywood.
Die Beziehung zwischen Iman und Bowie wurde häufig als Verbindung zweier sehr unterschiedlicher, aber gleichermaßen erfolgreicher Persönlichkeiten beschrieben. Iman war nicht lediglich die Ehefrau eines berühmten Musikers. Sie hatte bereits vor ihrer Ehe eine eigene internationale Karriere aufgebaut und setzte ihre berufliche Entwicklung auch während der Ehe fort.
Nach Bowies Tod sprach Iman nur vorsichtig über ihre private Trauer. Erinnerungen an die gemeinsame Zeit blieben für sie persönlich wichtig, während sie gleichzeitig ihr eigenes Leben und ihre beruflichen Projekte weiterführte.
Aktivismus und gesellschaftliches Engagement
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Imans Leben ist ihr gesellschaftliches Engagement. Besonders eng verbunden blieb sie mit Somalia. Als international bekannte Frau mit somalischen Wurzeln nutzte sie ihre Bekanntheit wiederholt, um Aufmerksamkeit auf die schwierige Situation ihres Heimatlandes zu lenken.
Darüber hinaus engagierte sie sich für verschiedene humanitäre Anliegen. Ein besonderes Thema war der Handel mit sogenannten Blutdiamanten. Iman setzte sich dafür ein, dass die Herkunft von Diamanten stärker beachtet wird und dass Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Rohstoffhandel nicht ignoriert werden.
Auch Fragen der Vielfalt in Mode und Beauty blieben für sie wichtig. Gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten setzte sie sich dafür ein, dass schwarze Models bessere berufliche Chancen erhalten und in der Modebranche angemessen vertreten werden.
Ihr Engagement zeigt, dass Iman ihre Bekanntheit nicht ausschließlich für kommerzielle Zwecke genutzt hat. Sie verband ihre Erfahrungen als afrikanische Frau in einer internationalen Branche mit einem größeren gesellschaftlichen Bewusstsein.
Vermächtnis und Einfluss auf die Modewelt
Iman hinterließ in mehreren Bereichen ein bedeutendes Vermächtnis. In der Mode gilt sie als eine der ersten afrikanischen Supermodels, die internationale Bekanntheit auf höchster Ebene erreichten. Ihre Zusammenarbeit mit berühmten Designern und Fotografen machte sie zu einem festen Bestandteil der Modegeschichte.
Noch stärker zeigt sich ihr Einfluss jedoch in der Beautybranche. IMAN Cosmetics entstand zu einer Zeit, als viele große Kosmetikunternehmen nur eine begrenzte Auswahl an Farbtönen anboten. Iman zeigte, dass Vielfalt auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann.
Iman erhielt für ihre Leistungen zahlreiche Anerkennungen. Dazu gehört unter anderem der Fashion Icon Award des Council of Fashion Designers of America. Auch ihr gesellschaftliches Engagement wurde mehrfach gewürdigt.
Ihre Bedeutung reicht deshalb weit über ihre Modeljahre hinaus. Sie steht für eine Entwicklung, bei der Models zunehmend als Unternehmerinnen, Markenbotschafterinnen und eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen wurden.
Iman bewies außerdem, dass internationale Karriere und kulturelle Identität miteinander verbunden werden können. Sie blieb ihrer Herkunft verbunden und nutzte gleichzeitig die Möglichkeiten, die ihr die internationale Modewelt eröffnete.
Fazit
Iman Mohamed Abdulmajid hat eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Sie wurde 1955 in Mogadischu geboren, wuchs in einer diplomatisch geprägten Familie auf und studierte zunächst Politikwissenschaften in Nairobi. Die Entdeckung durch Peter Beard im Jahr 1975 führte sie schließlich in die internationale Modewelt.
Bereits kurze Zeit später arbeitete sie für wichtige Magazine und mit bekannten Fotografen und Designern. Als Model wurde sie zu einer internationalen Ikone und zu einer wichtigen Wegbereiterin für schwarze Frauen in der Modebranche.
Mit der Gründung von IMAN Cosmetics bewies sie anschließend auch ihr unternehmerisches Talent. Die Marke setzte einen wichtigen Schwerpunkt auf Kosmetik für Frauen mit unterschiedlichen Hauttönen und machte Iman zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau.
Ihre Ehe mit David Bowie war ein bedeutendes Kapitel ihres Privatlebens, doch ihr eigenes Vermächtnis geht weit darüber hinaus. Iman war Model, Unternehmerin, Schauspielerin und Aktivistin. Sie nutzte ihre Erfahrungen, ihre internationale Bekanntheit und ihre eigene Stimme, um Veränderungen in Mode, Beauty und Gesellschaft anzustoßen.
Heute bleibt Iman eine der prägendsten Persönlichkeiten ihrer Generation. Ihre Geschichte zeigt, wie aus einer zufälligen Entdeckung eine weltweite Karriere entstehen kann und wie eine erfolgreiche Persönlichkeit ihren Einfluss nutzen kann, um eine Branche langfristig vielfältiger und offener zu machen.

