Einleitung
Heinz Drache zählt zu den markanten Gesichtern des deutschen Films und Fernsehens der Nachkriegszeit. Besonders als eleganter Ermittler wurde er einem großen Publikum bekannt. Seine Karriere führte ihn vom Theater über das Kino und Fernsehen bis hin zu Hörspielen und Synchronisationen. In den 1960er-Jahren prägte er mit seinen Auftritten in zahlreichen Kriminalfilmen das Bild des deutschen Filmkommissars. Große Popularität brachte ihm vor allem die Rolle des Inspektors Yates in dem Fernsehmehrteiler „Das Halstuch“. Später wurde er auch als Tatort-Kommissar Bülow bekannt. Heinz Drache wurde am 9. Februar 1923 in Essen geboren und starb am 3. April 2002 in Berlin.
Die frühen Jahre in Essen
Heinz Drache wuchs in Essen in einer Kaufmannsfamilie auf. Schon während seiner Schulzeit entwickelte er eine starke Verbindung zur Schauspielerei und zum Theater. Besonders seine Begeisterung für klassische Literatur fiel auf. Mit 14 Jahren konnte er nach eigenen späteren Angaben Goethes „Faust“ vollständig rezitieren. Bereits als Schüler sammelte er außerdem Erfahrungen als Statist am Essener Schauspielhaus.
Sein Wunsch, Schauspieler zu werden, war früh vorhanden. Eine reguläre Schauspielschule besuchte er allerdings nicht. Laut dem Portal Rheinische Geschichte bestand er bereits als Jugendlicher eine Aufnahmeprüfung an der Folkwangschule, musste auf Wunsch seines Vaters aber zunächst auf diese Ausbildung verzichten. Trotzdem ließ ihn die Schauspielerei nicht los. Seine ersten wichtigen Erfahrungen sammelte er schließlich direkt auf der Bühne.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Drache zum Militärdienst eingezogen. In Nürnberg ergab sich für ihn jedoch eine besondere Gelegenheit. Er nahm an einer Eignungsprüfung für den Bühnenberuf teil und wurde anschließend für eine Rolle am Nürnberger Schauspielhaus engagiert. Sein Auftritt als Prinz in einem Weihnachtsmärchen war erfolgreich. Die positiven Reaktionen ermöglichten ihm weitere Bühnenarbeiten und schließlich eine Befreiung vom Militärdienst.
Theater als Grundlage seiner Karriere
Nach dem Krieg setzte Heinz Drache seine Arbeit am Theater fort. Er spielte an verschiedenen deutschen Bühnen und war unter anderem in Nürnberg, Düsseldorf und Berlin tätig. Eine wichtige Rolle in seiner künstlerischen Entwicklung spielte die Begegnung mit Gustaf Gründgens. Der bedeutende Theatermacher holte Drache nach Düsseldorf, wo er in anspruchsvollen Bühnenproduktionen eingesetzt wurde.
In Düsseldorf arbeitete Drache mit bekannten Schauspielpersönlichkeiten seiner Zeit zusammen. Zu den genannten Kollegen gehören Käthe Gold, Marianne Hoppe, Gustav Knuth und Elisabeth Flickenschildt. Für einen jungen Schauspieler bedeuteten solche Engagements eine wichtige praktische Schule. Drache lernte dort unterschiedliche Rollen, Inszenierungsformen und Spielweisen kennen.
Seine Theaterarbeit blieb auch später ein wichtiger Bestandteil seines beruflichen Lebens. Obwohl ihn das Publikum vor allem aus Kriminalfilmen kannte, war er keineswegs ausschließlich auf dieses Genre festgelegt. Das Theater gab ihm die Möglichkeit, unterschiedliche Charaktere darzustellen und seine schauspielerische Vielseitigkeit zu zeigen.
Der Weg zum Film und Fernsehen
In den 1950er-Jahren begann Heinz Drache zunehmend für Film und Fernsehen zu arbeiten. Zu seinen frühen Filmprojekten gehörte „Bei Dir war es immer so schön“ aus dem Jahr 1954. Danach folgten weitere Produktionen, darunter „Spion für Deutschland“ und „Der Rest ist Schweigen“. Auch im Fernsehen übernahm er verschiedene Rollen.
Drache konnte dabei von seiner Bühnenerfahrung profitieren. Sein Auftreten wirkte kontrolliert, selbstbewusst und seriös. Diese Eigenschaften wurden später besonders wichtig für seine zahlreichen Kriminalrollen. Während andere Schauspieler mit bestimmten Genres oder Figuren verbunden wurden, entwickelte sich Drache zunehmend zum idealen Darsteller des kultivierten Ermittlers.
In dieser Zeit arbeitete er außerdem bereits als Sprecher. Seine Stimme war auffällig und wurde zu einem wichtigen Teil seiner späteren Bekanntheit. Noch bevor er durch seine großen Fernsehrollen zum Star wurde, hatte er sich damit mehrere berufliche Standbeine aufgebaut.
Der große Durchbruch mit „Das Halstuch“
Der entscheidende Schritt zum großen Fernsehstar gelang Heinz Drache 1962 mit „Das Halstuch“. Der sechsteilige Kriminalmehrteiler nach Francis Durbridge wurde zu einem der bekanntesten Fernsehereignisse seiner Zeit. Drache spielte den Inspektor Yates und stand dabei unter anderem mit Albert Lieven vor der Kamera.
Die Resonanz auf die Produktion war außergewöhnlich. Nach Angaben von IMDb erreichte „Das Halstuch“ eine Einschaltquote von rund 80 Prozent. Dadurch wurde Heinz Drache bundesweit bekannt. Die Rolle passte hervorragend zu seinem Erscheinungsbild: Er verkörperte einen ruhigen, intelligenten und entschlossenen Ermittler, der sich nicht durch übertriebene Gestik in den Mittelpunkt stellen musste.
Seine Popularität zeigte sich auch außerhalb der eigentlichen Fernsehproduktion. 1962 wurde er bei der Leserwahl der Jugendzeitschrift BRAVO mit dem Goldenen Bravo Otto als beliebtester TV-Star ausgezeichnet. Damit wurde deutlich, dass Drache nicht nur beim klassischen Krimipublikum bekannt war, sondern auch eine breite Popularität besaß.
Heinz Drache und die Edgar-Wallace-Filme
Besonders eng ist sein Name mit den deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen verbunden. In den 1960er-Jahren spielte Heinz Drache in mehreren Kriminalfilmen Ermittler oder Figuren, die in die Aufklärung mysteriöser Verbrechen verwickelt waren. Seine elegante Erscheinung und seine markante Stimme machten ihn für dieses Genre besonders geeignet.
Zu seinen bekannten Wallace-Produktionen gehören „Der Rächer“, „Das indische Tuch“, „Ein Sarg aus Hongkong“, „Neues vom Hexer“ und „Der Hund von Blackwood Castle“. In „Das indische Tuch“ aus dem Jahr 1963 spielte er Frank Tanner. Der Film entstand unter der Regie von Alfred Vohrer und gehört zu den bekannten Produktionen der klassischen Wallace-Reihe.
Auch in „Der Hexer“ von 1964 übernahm Drache eine wichtige Ermittlerrolle. Seine Wallace-Auftritte festigten sein öffentliches Image als Kriminalist. Dabei war er nicht einfach nur ein Darsteller von Polizeifiguren. Er entwickelte eine bestimmte Art, Ermittler zu spielen: konzentriert, selbstsicher und mit einer gewissen Eleganz.
Seine markante Stimme als Synchronsprecher
Neben seinen Film- und Fernsehrollen war Heinz Drache auch als Synchronsprecher erfolgreich. Seine Stimme war tief, klar und unverwechselbar. Bereits seit 1946 arbeitete er umfangreich als Hörspielsprecher, unter anderem für den NWDR und später den WDR. In verschiedenen Hörspielproduktionen übernahm er größere Rollen.
Auch internationale Schauspieler erhielten durch Drache ihre deutsche Stimme. Zu den bekannten Namen gehören Kirk Douglas, Glenn Ford, Frank Sinatra, Patrick McGoohan, Sean Connery und Richard Widmark. Die Deutsche Synchronkartei führt zahlreiche entsprechende Sprecherrollen auf.
Besonders bekannt ist seine Synchronarbeit für Robert Duvall in „Apocalypse Now“. Auch in „Der dritte Mann“ war Drache als deutsche Stimme von Trevor Howard in einer Neusynchronisation zu hören. Damit erreichte seine Stimme ein Publikum, das ihn nicht unbedingt aus seinen eigenen Filmrollen kannte.
Diese Arbeit zeigt, wie vielseitig seine Karriere tatsächlich war. Heinz Drache war nicht nur der bekannte Kriminalkommissar aus deutschen Produktionen, sondern auch ein gefragter Sprecher für internationale Filmstars.
Der Tatort-Kommissar Bülow
In den 1980er-Jahren kehrte Heinz Drache mit einer bekannten Fernsehrolle in das Krimigenre zurück. Von 1985 bis 1989 spielte er im „Tatort“ den Kommissar Hans-Georg Bülow. Insgesamt war er in sechs Folgen als Ermittler zu sehen.
Diese Rolle passte zu dem Image, das Drache bereits Jahrzehnte zuvor aufgebaut hatte. Gleichzeitig zeigte sein Auftritt im „Tatort“, dass er auch nach den großen Kriminalfilmen der 1960er-Jahre weiterhin als Ermittler beim Publikum funktionierte. Seine Karriere hatte damit eine bemerkenswerte Verbindung zwischen verschiedenen Generationen des deutschen Fernsehkrimis.
Der „Tatort“ gehörte inzwischen zu den wichtigsten Krimiformaten des deutschen Fernsehens. Für Drache bedeutete die Rolle eine neue wichtige Phase seiner Laufbahn. Er konnte dabei auf seine langjährige Erfahrung im Kriminalgenre zurückgreifen und zugleich eine neue Generation von Fernsehzuschauern erreichen.
Privatleben und Familie
Abseits von Film und Fernsehen hielt Heinz Drache sein Privatleben weitgehend aus dem Mittelpunkt der Öffentlichkeit heraus. Seit 1957 war er mit Rosemarie Eveline Nordmann verheiratet. Die Ehe bestand bis zu seinem Tod im Jahr 2002. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Außerdem hatte Drache aus einer früheren Beziehung mit der Schauspielerin Edith Teichmann eine Tochter namens Angelika, die 1948 geboren wurde.
Seine Familie spielte in der öffentlichen Berichterstattung eine wesentlich kleinere Rolle als seine beruflichen Erfolge. Das öffentliche Bild von Heinz Drache wurde deshalb vor allem durch seine Filme, Fernsehauftritte und seine Arbeit als Sprecher geprägt.
Die letzten Jahre und sein Tod
Auch in seinen späteren Jahren blieb Heinz Drache als Schauspieler aktiv. Er übernahm weiterhin Rollen in Fernsehproduktionen und arbeitete gelegentlich an weiteren Film- und Serienprojekten. Seine Laufbahn erstreckte sich damit über mehrere Jahrzehnte und verschiedene Epochen des deutschen Films und Fernsehens.
Heinz Drache starb am 3. April 2002 in Berlin im Alter von 79 Jahren. Als Todesursache wurde Lungenkrebs genannt. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof Dahlem in Berlin.
Sein Tod beendete die Laufbahn eines Schauspielers, der über Jahrzehnte hinweg in sehr unterschiedlichen Bereichen gearbeitet hatte. Von der Bühne über den Kinofilm bis zum Fernsehen und zur Synchronisation war Drache in zahlreichen Produktionen vertreten.
Fazit: Ein unverwechselbares Gesicht des deutschen Krimis
Heinz Drache bleibt vor allem als einer der prägenden deutschen Krimi-Schauspieler seiner Generation in Erinnerung. Seine Rolle als Inspektor Yates in „Das Halstuch“ machte ihn zum Fernsehstar, während seine zahlreichen Edgar-Wallace-Filme seinen Ruf als Ermittler weiter festigten. Jahrzehnte später bewies er mit seiner Rolle als Kommissar Bülow im „Tatort“, dass dieses Genre weiterhin zu ihm gehörte.
Gleichzeitig war seine Karriere deutlich vielseitiger, als es sein Krimi-Image vermuten lässt. Seine Theaterarbeit, seine Hörspiele und seine zahlreichen Synchronrollen gehören ebenfalls zu seinem künstlerischen Vermächtnis. Besonders seine markante Stimme für internationale Schauspieler wie Sean Connery, Kirk Douglas und Robert Duvall gehört zu den weniger sichtbaren, aber bedeutenden Teilen seiner Arbeit.
Heinz Drache verband damit mehrere Bereiche der deutschen Unterhaltungslandschaft. Sein Name steht für klassische Kriminalfilme, große Fernsehproduktionen, anspruchsvolle Theaterarbeit und die deutsche Synchronkultur. Auch viele Jahre nach seinem Tod bleibt er deshalb ein wichtiger Name in der Geschichte des deutschen Films und Fernsehens.

