Einleitung
Josef Rusnak ist ein deutscher Filmregisseur und Drehbuchautor, dessen Karriere sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Er arbeitet sowohl für das Kino als auch für das Fernsehen und hat dabei sehr unterschiedliche Genres kennengelernt. International wurde sein Name besonders durch den Science-Fiction-Thriller „The Thirteenth Floor“ bekannt, den er 1999 inszenierte und mitschrieb. Gleichzeitig begann seine Laufbahn bereits viele Jahre früher mit dem deutschen Film „Kaltes Fieber“, für den er schon bei seinem Debüt mit dem Deutschen Filmpreis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Im weiteren Verlauf arbeitete Rusnak unter anderem mit Roland Emmerich und Wesley Snipes zusammen und entwickelte sich zu einem Regisseur, der zwischen deutschen Fernsehproduktionen und internationalen Filmprojekten wechselte.
Herkunft und frühe Jahre von Josef Rusnak
Josef Rusnak wurde am 25. November 1958 in Wachschstroi in der damaligen Tadschikischen Sozialistischen Sowjetrepublik geboren. Der Ort liegt heute in Tadschikistan. Rusnak stammt aus einer Familie von Sowjetdeutschen. Später kam seine Familie nach Deutschland, und er wuchs in Pforzheim auf. Damit verbrachte er seine Kindheit und Jugend in einer Umgebung, die sich deutlich von seinem Geburtsort unterschied.
Über seine frühen Jahre ist öffentlich weniger bekannt als über seine spätere berufliche Laufbahn. Fest steht jedoch, dass Rusnak zunächst nicht unmittelbar eine Karriere als Filmemacher begann. Nach seiner Schulzeit ging er nach München und begann dort ein Studium der Germanistik. Bereits nach ungefähr einem Jahr entschied er sich jedoch für einen anderen Weg. Sein Interesse am Film führte ihn an die Hochschule für Fernsehen und Film München.
Dort studierte er im Fachbereich Dokumentarfilm. Die Ausbildung vermittelte ihm nicht nur Kenntnisse über Regie und filmische Gestaltung, sondern auch ein Verständnis dafür, wie Geschichten mit Bildern, Figuren, Dialogen und verschiedenen Formen der Kameraarbeit erzählt werden können. Diese Ausbildung wurde zur Grundlage für seine spätere Arbeit als Regisseur und Autor.
Das Regiedebüt mit „Kaltes Fieber“
Für Josef Rusnak kam der entscheidende berufliche Durchbruch bereits sehr früh. 1984 realisierte er den Film „Kaltes Fieber“. Das Werk war nicht nur sein Regiedebüt, sondern zugleich ein Projekt, bei dem er auch als Autor tätig war. Damit zeigte sich bereits am Beginn seiner Laufbahn die Verbindung zwischen Drehbucharbeit und Regie, die später für seine Karriere wichtig bleiben sollte.
„Kaltes Fieber“ brachte Rusnak eine bedeutende Auszeichnung ein. Im Jahr 1984 wurde er beim Deutschen Filmpreis für die beste Regie ausgezeichnet. Für einen jungen Filmemacher war diese Anerkennung ein wichtiger Schritt und verschaffte ihm früh Aufmerksamkeit innerhalb der deutschen Filmbranche.
Der Film gehört deshalb zu den wichtigsten Stationen seiner Karriere. Rusnak war zu diesem Zeitpunkt erst Mitte zwanzig und hatte bereits die Möglichkeit erhalten, einen eigenen Kinofilm zu realisieren. Sein Debüt zeigte außerdem, dass er nicht ausschließlich als ausführender Regisseur arbeiten wollte, sondern sich auch mit der Entwicklung von Stoffen und Drehbüchern beschäftigte.
Erfahrungen beim französischen Fernsehen
Nach seinem erfolgreichen Debüt arbeitete Rusnak zunächst auch für das französische Fernsehen. Dort führte er bei Episoden verschiedener Fernsehproduktionen Regie. Zu seinen frühen internationalen Fernseharbeiten gehörten Produktionen aus dem Umfeld von „L’heure Simenon“ und „Le Gorille“.
Diese Zeit war für seine weitere Karriere wichtig, weil er dadurch Erfahrungen außerhalb des deutschen Produktionssystems sammeln konnte. Fernsehproduktionen stellen Regisseure häufig vor andere Herausforderungen als Kinofilme. Geschichten müssen in einem festgelegten zeitlichen Rahmen erzählt werden, gleichzeitig müssen Schauspieler, Kamera, Schnitt und andere Abteilungen eng zusammenarbeiten.
Rusnak konnte auf diese Weise seine praktische Erfahrung erweitern. Seine spätere Filmografie zeigt, dass er sowohl mit größeren internationalen Produktionen als auch mit klassischen Fernsehfilmen umgehen konnte. Die frühen Arbeiten im Fernsehen bildeten deshalb eine wichtige Zwischenstation zwischen seinem deutschen Debüt und seinen späteren internationalen Projekten.
Der Weg nach Hollywood
Ein wichtiger Abschnitt in Josef Rusnaks Karriere begann mit seiner stärkeren Orientierung auf den amerikanischen Film. In den 1990er-Jahren arbeitete er zunehmend an englischsprachigen Produktionen. 1992 zog er nach Los Angeles und gründete dort die Produktionsfirma Jump Cut Images. Damit baute er seine Verbindung zur amerikanischen Filmindustrie weiter aus.
1995 entstand „Quiet Days in Hollywood“, eine in Los Angeles angesiedelte Tragikomödie. In dem Film spielte unter anderem Hilary Swank eine Rolle, die zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang ihrer späteren internationalen Karriere stand. Rusnak arbeitete anschließend weiter an deutsch-amerikanischen Produktionen.
1997 folgte „No Strings Attached“, der in Deutschland unter dem Titel „Bedingungslos – Im Netz der Leidenschaft“ bekannt wurde. Außerdem inszenierte Rusnak in diesem Zeitraum „Schimanski: Die Schwadron“. Damit blieb er trotz seiner internationalen Ausrichtung auch mit dem deutschen Fernsehen und dem deutschen Krimigenre verbunden.
Zusammenarbeit mit Roland Emmerich bei „Godzilla“
Eine besondere Station in Rusnaks Karriere war seine Mitarbeit an Roland Emmerichs „Godzilla“. Der große Hollywood-Film entstand 1998 und war eine aufwendige Neuinterpretation des bekannten Monsterstoffs.
Rusnak arbeitete dabei als Second-Unit-Regisseur. Diese Position unterscheidet sich von der eigentlichen Hauptregie. Die Second Unit übernimmt zusätzliche Dreharbeiten, beispielsweise bestimmte Actionaufnahmen, Landschaftsbilder oder andere Szenen, die parallel zur Hauptproduktion entstehen können.
Für Rusnak bedeutete die Arbeit an „Godzilla“ eine wertvolle Erfahrung mit dem großen amerikanischen Studiosystem. Besonders die Arbeit mit umfangreichen Spezialeffekten und computergenerierten Bildern war für die damalige Zeit technisch anspruchsvoll. Die Zusammenarbeit mit Roland Emmerich sollte außerdem eine direkte Verbindung zu Rusnaks nächstem und international bekanntestem Kinofilm schaffen.
„The Thirteenth Floor“ und der internationale Durchbruch
1999 kam „The Thirteenth Floor“ in die Kinos. Der Science-Fiction-Thriller gilt als eines der bekanntesten Werke von Josef Rusnak. Er führte Regie und war auch am Drehbuch beteiligt. Produziert wurde der Film unter anderem von Roland Emmerich.
Die Hauptrollen übernahmen Craig Bierko, Gretchen Mol, Vincent D’Onofrio und Dennis Haysbert. Der Film beschäftigt sich mit einer künstlich erschaffenen Realität und der Frage, ob Menschen sicher erkennen können, in welcher Welt sie sich tatsächlich befinden.
„The Thirteenth Floor“ basiert lose auf Daniel F. Galouyes Roman „Simulacron-3“. Gleichzeitig gibt es eine Verbindung zu Rainer Werner Fassbinders Fernsehproduktion „Welt am Draht“ aus den 1970er-Jahren. Rusnak übertrug die Grundidee in eine englischsprachige internationale Produktion.
Der Film verbindet Science-Fiction mit Mystery und Thriller. Besonders die Themen künstliche Welten, Identität und die Grenzen zwischen Realität und Simulation machen ihn zu einem charakteristischen Werk seiner Karriere. Auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung wird der Film noch im Zusammenhang mit Science-Fiction und virtuellen Realitäten erwähnt.
Weitere internationale Filme mit Wesley Snipes
Nach „The Thirteenth Floor“ dauerte es einige Jahre, bis Rusnak wieder einen größeren Spielfilm als Regisseur realisierte. 2007 entstand „The Contractor“ mit Wesley Snipes in der Hauptrolle. Der Action-Thriller wurde vor allem für den internationalen Heimkinomarkt produziert.
Rusnak arbeitete anschließend erneut mit Wesley Snipes zusammen. 2008 folgte „The Art of War II: Betrayal“, eine Fortsetzung des Actionfilms „The Art of War“. Damit bewegte sich Rusnak erneut im Bereich des internationalen Actionkinos.
Ebenfalls 2008 erschien „It’s Alive“. Dabei handelte es sich um ein Remake des gleichnamigen Horrorfilms von Larry Cohen aus dem Jahr 1974. Rusnak arbeitete damit in einem weiteren Genre, nachdem er zuvor bereits Science-Fiction und Action umgesetzt hatte.
2010 folgte mit „Valerie“ ein Drama mit Franka Potente. Zwei Jahre später inszenierte Rusnak „Beyond – Die rätselhafte Entführung der Amy Noble“. Diese Projekte zeigen, dass seine Filmografie nicht auf einen einzigen Bereich begrenzt ist.
Josef Rusnak und das deutsche Fernsehen
Neben seinen internationalen Kinoprojekten blieb Josef Rusnak über viele Jahre mit dem deutschen Fernsehen verbunden. Besonders in den späteren Jahren seiner Karriere arbeitete er häufig an Kriminalfilmen, Thrillern und literarischen Stoffen.
Zu seinen bekannten deutschen Arbeiten gehören mehrere Filme der Reihe um den Berliner Rechtsanwalt Joachim Vernau. Dazu zählen „Totengebet“, „Requiem für einen Freund“, „Düstersee“ und „Versunkene Gräber“. Diese Produktionen verbinden Kriminalfälle mit persönlichen und gesellschaftlichen Hintergründen.
Auch bei der Reihe „Neben der Spur“ führte Rusnak mehrfach Regie. Dazu gehören „Erlöse mich“, „Schließe deine Augen“ und „Die andere Frau“. Darüber hinaus entstand unter seiner Regie „Wendland: Stiller und die Geister der Vergangenheit“.
Diese Fernsehfilme zeigen eine andere Seite seiner Arbeit als die großen internationalen Genreproduktionen. Im Mittelpunkt stehen häufig Ermittlungen, persönliche Konflikte, Vergangenheit und die schrittweise Aufdeckung verborgener Zusammenhänge. Rusnak arbeitet dabei mit bekannten deutschen Schauspielern und etablierten Fernsehformaten.
Aktuelle Arbeiten und berufliche Bedeutung
Josef Rusnak ist auch in den 2020er-Jahren als Regisseur tätig. Ein aktuelles Beispiel ist der Fernsehfilm „Der schwarze Schwan“, der 2026 ausgestrahlt wurde. Der Film gehört zur Reihe um den Rechtsanwalt Joachim Vernau und wurde von Rusnak inszeniert. Auch am Drehbuch war er beteiligt.
In der Geschichte gerät Joachim Vernau in Berlin selbst unter Mordverdacht. Eine verschwundene Zeugin wird für ihn zu einem wichtigen Schlüssel, während seine Nachforschungen in die Vergangenheit der Berliner Nachtclubszene führen. Der Film verbindet damit einen aktuellen Kriminalfall mit Ereignissen aus früheren Jahrzehnten.
Rusnaks Arbeit zeigt insgesamt eine bemerkenswerte Verbindung zwischen Kino und Fernsehen. Er hat sowohl mit großen internationalen Produktionen als auch mit deutschen Fernsehfilmen gearbeitet. Dabei wechselte er zwischen Science-Fiction, Thriller, Action, Horror, Drama und Krimi.
Auch seine Tätigkeit als Drehbuchautor ist ein wichtiger Bestandteil seiner Laufbahn. Bereits „Kaltes Fieber“ entstand unter seiner Beteiligung als Autor. Bei „The Thirteenth Floor“ arbeitete er ebenfalls am Drehbuch mit. Später schrieb er unter anderem für verschiedene deutsche Fernsehproduktionen.
Fazit
Josef Rusnak hat seit seinem Regiedebüt im Jahr 1984 eine vielseitige und langjährige Karriere aufgebaut. Seine Laufbahn begann mit „Kaltes Fieber“, für den er bereits früh mit dem Deutschen Filmpreis für die beste Regie ausgezeichnet wurde. Anschließend sammelte er Erfahrungen beim französischen Fernsehen und entwickelte sich zunehmend zu einem international arbeitenden Filmemacher.
Besonders bekannt wurde er durch „The Thirteenth Floor“. Der Science-Fiction-Thriller von 1999 verband eine komplexe Geschichte über künstliche Realität mit internationalen Schauspielern und einer aufwendigen Produktion. Seine vorherige Mitarbeit an Roland Emmerichs „Godzilla“ hatte ihm bereits wichtige Erfahrungen mit großen Hollywoodproduktionen vermittelt.
Später arbeitete Rusnak unter anderem mit Wesley Snipes und widmete sich Action- und Horrorfilmen. Gleichzeitig blieb er dem deutschen Fernsehen verbunden und inszenierte zahlreiche Krimis und Fernsehfilme. Produktionen wie „Neben der Spur“, „Joachim Vernau“ und „Wendland“ gehören zu diesem Teil seiner Karriere.
Josef Rusnak steht damit für eine Filmkarriere, die deutsche und internationale Produktion miteinander verbindet. Vom preisgekrönten Debüt über Hollywood bis zu aktuellen deutschen Kriminalfilmen hat er unterschiedliche Formen des Filmemachens kennengelernt und über Jahrzehnte hinweg als Regisseur und Drehbuchautor gearbeitet.

