Einleitung
Rainer Hunold gehört zu den bekanntesten deutschen Schauspielern des Fernsehens. Über viele Jahrzehnte prägte er zahlreiche erfolgreiche Serien und Fernsehfilme und wurde dabei besonders für seine Rollen als Anwalt, Arzt und Staatsanwalt bekannt. Sein Weg zum Schauspieler verlief allerdings nicht geradlinig. Bevor Hunold die Bühne und das Fernsehen eroberte, beschäftigte er sich mit Kunstpädagogik, Germanistik und Bildhauerei. Erst Mitte der 1970er-Jahre entschied er sich endgültig für die Schauspielerei und absolvierte eine Ausbildung an der renommierten Max-Reinhardt-Schule in Berlin.
Seinen ersten großen Erfolg feierte er 1978 als Kalli Flau in der ZDF-Serie „Ein Mann will nach oben“. Danach entwickelte sich eine außergewöhnliche Fernsehkarriere, die ihn unter anderem zu „Ein Fall für zwei“, „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ und schließlich „Der Staatsanwalt“ führte. Besonders seine Darstellung des Oberstaatsanwalts Bernd Reuther machte ihn zu einem der bekanntesten Gesichter des deutschen Freitagabendkrimis.
Neben der Schauspielerei besitzt Hunold eine starke Verbindung zur Bildhauerei. Mit zunehmendem Alter gewann diese zweite künstlerische Leidenschaft für ihn immer mehr an Bedeutung. Sein Rückzug aus „Der Staatsanwalt“ im Jahr 2025 markierte deshalb einen neuen Abschnitt in seinem Leben.
Kindheit und frühe Jahre in Braunschweig
Rainer Hunold wurde am 1. November 1949 in Braunschweig geboren. Dort verbrachte er seine Jugend und besuchte das Gymnasium Raabeschule. Schon in jungen Jahren interessierte er sich für Kunst und Literatur, weshalb seine berufliche Zukunft zunächst keineswegs eindeutig in Richtung Schauspielerei führte.
Nach dem Abitur begann Hunold ein Studium der Kunstpädagogik. Zusätzlich beschäftigte er sich mit Germanistik und studierte einige Semester Bildhauerei. Gerade die Verbindung von Kunst und Sprache sollte später in seinem Leben eine wichtige Rolle spielen.
Während dieser Studienzeit wurde ihm jedoch zunehmend bewusst, dass ihn die Schauspielerei besonders faszinierte. 1975 entschied er sich deshalb für einen Richtungswechsel. Er ging nach Berlin und begann seine Ausbildung an der Max-Reinhardt-Schule, einer der traditionsreichsten Schauspielschulen Deutschlands.
Von 1975 bis 1977 erhielt er dort eine professionelle Ausbildung. Diese Zeit legte die Grundlage für seine spätere Karriere und ermöglichte ihm, seine natürliche Ausstrahlung mit einem professionellen schauspielerischen Handwerk zu verbinden.
Der Durchbruch mit „Ein Mann will nach oben“
Nach ersten kleineren Fernsehauftritten gelang Rainer Hunold 1978 der entscheidende Durchbruch. In dem dreizehnteiligen ZDF-Mehrteiler „Ein Mann will nach oben“ spielte er die Rolle des jungen Matrosen Karl „Kalli“ Flau. Die Serie basierte auf dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada und wurde zu einem wichtigen frühen Erfolg seiner Karriere.
Hunold war damals noch am Anfang seiner Laufbahn, konnte aber bereits mit seiner Präsenz vor der Kamera überzeugen. Die Rolle machte ihn einem großen Fernsehpublikum bekannt und öffnete ihm die Türen zu weiteren anspruchsvollen Produktionen.
In den folgenden Jahren arbeitete er regelmäßig für das Fernsehen. Er war in historischen Mehrteilern und Fernsehfilmen zu sehen und entwickelte sich zu einem gefragten Darsteller. Zu den frühen wichtigen Produktionen gehörten unter anderem „Der eiserne Gustav“ und „Die schöne Wilhelmine“. Auch „Der schwarze Obelisk“ gehörte zu den Projekten, die seine frühe Laufbahn prägten.
Damit wurde bereits früh deutlich, dass Hunold nicht nur für eine bestimmte Art von Rolle geeignet war. Er konnte historische Figuren ebenso darstellen wie moderne Charaktere und entwickelte eine besondere Stärke bei glaubwürdigen, intelligenten und sympathischen Figuren.
Der Anwalt Dr. Rainer Franck in „Ein Fall für zwei“
Einen weiteren entscheidenden Schritt machte Hunold 1988 mit seiner Rolle in der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei“. Dort übernahm er den Part des Strafverteidigers Dr. Rainer Franck und spielte an der Seite von Claus Theo Gärtner, der den Privatdetektiv Josef Matula verkörperte.
Die Kombination aus Anwalt und Privatdetektiv wurde zu einem der bekanntesten Ermittlerkonzepte des deutschen Fernsehens. Dr. Franck war intelligent, selbstbewusst und juristisch versiert, während Matula vor allem durch seine praktische Ermittlungsarbeit auffiel.
Hunold blieb bis 1997 Teil der Serie und verkörperte die Figur in zahlreichen Folgen. Dadurch wurde Dr. Franck zu einer seiner bekanntesten Rollen der 1980er- und 1990er-Jahre.
Für Hunold war diese Rolle besonders wichtig, weil sie seinen Ruf als zuverlässiger Hauptdarsteller weiter festigte. Er konnte damit nicht nur schauspielerische Fähigkeiten zeigen, sondern auch eine Figur über viele Jahre hinweg entwickeln.
Dr. Sommerfeld und der Wechsel zur Arztserie
1997 wechselte Hunold von der Welt der Gerichts- und Kriminalfälle in das medizinische Serienfach. In der ARD-Serie „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ übernahm er die Titelrolle des Arztes Dr. Peter Sommerfeld.
Die Serie spielte in Berlin und verband medizinische Geschichten mit privaten und gesellschaftlichen Themen. Hunold übernahm damit erneut eine Figur, die Verantwortung für andere Menschen trug. Nach dem sachlichen und juristisch geprägten Dr. Franck zeigte er nun einen Arzt, der sich mit den Sorgen und Problemen seiner Patienten auseinandersetzen musste.
Von 1997 bis 2004 blieb Hunold der Serie verbunden. Nach Angaben von Joyn spielte er Dr. Sommerfeld in insgesamt 139 Episoden. Damit wurde die Rolle zu einem weiteren wichtigen Abschnitt seiner Fernsehkarriere.
Der Wechsel zeigte zugleich, wie flexibel Hunold als Schauspieler war. Innerhalb weniger Jahre konnte er glaubwürdig sehr unterschiedliche berufliche Figuren darstellen, ohne dabei seine eigene schauspielerische Persönlichkeit zu verlieren.
Bernd Reuther in „Der Staatsanwalt“
Die wohl prägendste Rolle seiner späteren Karriere übernahm Rainer Hunold ab 2005 in der ZDF-Krimiserie „Der Staatsanwalt“. Als Wiesbadener Oberstaatsanwalt Bernd Reuther wurde er erneut zum Juristen – diesmal allerdings mit einer anderen Persönlichkeit als Dr. Franck.
Reuther war ein erfahrener Ermittler, der Fälle nicht nur aus juristischer Sicht betrachtete. Die Figur zeichnete sich durch Ruhe, Verantwortungsbewusstsein und ein starkes Interesse an den Menschen hinter den Fällen aus.
Hunold spielte Bernd Reuther rund 20 Jahre lang. Die Serie entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des ZDF-Freitagsprogramms und erreichte regelmäßig ein großes Publikum.
Im Januar 2024 wurde bekannt, dass Hunold seine Rolle nach 20 Jahren beenden würde. Er erklärte, dass er verhindern wolle, dass sein Alter irgendwann die Glaubwürdigkeit der Figur beeinträchtigt. Gleichzeitig sah er seinen Rückzug als Möglichkeit, sich stärker anderen Interessen zu widmen.
2025 wurde schließlich die letzte Staffel mit ihm ausgestrahlt. Mit seinem Abschied endete auch die Serie „Der Staatsanwalt“. Damit ging eine besonders lange Ära des deutschen Fernsehens zu Ende.
Rainer Hunold als Künstler und Bildhauer
Obwohl Rainer Hunold vor allem als Schauspieler bekannt wurde, begleitet ihn die Bildhauerei bereits seit seinen Studienjahren. Er hatte schon vor seiner Schauspielausbildung einige Semester Bildhauerei studiert und blieb dieser Kunstform auch später verbunden.
Die Bildhauerei bietet ihm eine völlig andere Form des künstlerischen Ausdrucks. Während ein Schauspieler mit Stimme, Bewegung und Persönlichkeit arbeitet, entstehen bei einer Skulptur dauerhafte Objekte aus Materialien wie Holz oder Metall.
Mit zunehmendem Alter gewann diese Tätigkeit für Hunold an Bedeutung. Nach seinem Abschied von „Der Staatsanwalt“ wollte er sich stärker seiner künstlerischen Arbeit widmen. Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde seine Bildhauerei deshalb besonders hervorgehoben.
Diese Leidenschaft zeigt, dass Hunolds künstlerische Identität nicht ausschließlich mit Fernsehen verbunden ist. Schauspiel und Bildhauerei begleiten ihn seit Jahrzehnten und bilden zwei unterschiedliche Seiten seines kreativen Lebens.
Privatleben und soziales Engagement
Rainer Hunold hält sein Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Er ist seit 1989 mit Petra Offizorz verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder und lebt in Berlin.
Neben seiner Familie engagiert sich Hunold seit vielen Jahren sozial. Er ist als Botschafter der SOS-Kinderdörfer tätig und setzt sich für Kinder und Familien ein. Sein Engagement ergänzt damit seine öffentliche Arbeit als Schauspieler um eine gesellschaftliche Komponente.
Sein soziales Engagement ist ein weiterer Grund dafür, dass sein öffentliches Bild nicht allein von seinen Fernsehrollen geprägt wird. Hunold verbindet seine Bekanntheit mit Themen, die über Unterhaltung hinausgehen.
Auszeichnungen und besondere Popularität
Rainer Hunolds langjährige Karriere wurde auch durch verschiedene Auszeichnungen gewürdigt. Zu den bedeutenden Ehrungen gehört der Adolf-Grimme-Preis, den er für seine schauspielerische Leistung erhielt.
Seine Popularität beschränkte sich dabei nicht auf Deutschland. In den 1990er-Jahren wurde Hunold in einer viel beachteten Abstimmung italienischer Zuschauerinnen sogar zum attraktivsten beziehungsweise „schönsten Fernsehschauspieler“ gewählt und lag dabei vor George Clooney. Diese ungewöhnliche Episode zeigt, wie groß seine internationale Popularität zeitweise war.
Sein Erfolg lässt sich jedoch nicht nur mit seinem Aussehen erklären. Entscheidend war vor allem seine Fähigkeit, sympathische und glaubwürdige Hauptfiguren über viele Jahre hinweg darzustellen. Vom jungen Kalli Flau über Dr. Franck und Dr. Sommerfeld bis zu Bernd Reuther verkörperte er sehr unterschiedliche Charaktere.
Fazit
Rainer Hunold hat eine außergewöhnliche Karriere im deutschen Fernsehen aufgebaut. Sein Weg begann in Braunschweig mit einem Studium der Kunstpädagogik, Germanistik und Bildhauerei, bevor er sich für die Schauspielerei entschied und an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin ausgebildet wurde. Bereits 1978 gelang ihm mit „Ein Mann will nach oben“ der große Durchbruch.
Danach folgten einige der bekanntesten Rollen seiner Laufbahn. Als Dr. Rainer Franck in „Ein Fall für zwei“ wurde er zum beliebten Fernsehanwalt. Als Dr. Sommerfeld überzeugte er als Arzt und setzte seine Karriere als Hauptdarsteller fort. Mit Bernd Reuther in „Der Staatsanwalt“ erreichte seine Fernsehkarriere schließlich eine besonders lange und erfolgreiche Phase.
Nach rund 20 Jahren verabschiedete sich Hunold 2025 von seiner Rolle als Oberstaatsanwalt. Sein Rückzug bedeutet jedoch keineswegs das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit. Neben seiner langen Schauspielkarriere bleibt die Bildhauerei eine wichtige Leidenschaft, der er sich nun verstärkt widmen kann.
Rainer Hunold bleibt damit eine feste Größe der deutschen Fernsehgeschichte. Seine Vielseitigkeit, seine langjährige Präsenz und seine Fähigkeit, glaubwürdige Figuren zu schaffen, haben ihn zu einem Schauspieler gemacht, der über Generationen hinweg bekannt und beliebt geblieben ist.

